(Eigen-)Tore, Emotion, Fairness und Skandale

Vorrunde absolviert: Erste Zwischenbilanz zur Fußball-EM, die schon viel zu bieten hatte

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Superstar Ronaldo:

Auch mit 36 Jahren kann der Portugiese dem Turnier noch seinen Stempel aufdrücken, er avancierte bei dieser Endrunde zum besten EM-Torschützen aller Zeiten (14 Treffer) und führt natürlich auch die aktuelle Schützenliste mit fünf Treffern an (siehe Seite VI). Dass er am Mittwoch auch den Allzeit- Länderspiel-Rekord des Iraners Ali Daei von 109 Treffern einstellte, passt perfekt.

Emotionale Achterbahnfahrt:

Was Dänemark bei diesem Turnier mitmacht, ist ein echtes Wechselbad der Gefühle. Erst der Zusammenbruch von Christian Eriksen, der wiederbelebt werden musste, samt der Sorge um sein Leben im Auftaktmatch gegen Finnland, das noch am selben Abend durchgepeitscht wurde. Dann die Entwarnung bei Eriksen sowie eine unglückliche 1:2-Niederlage gegen Belgien nach früher Führung. Und schließlich die Gala-Vorstellung beim 4:1 gegen Russland, das die Skandinavier sogar noch auf Gruppenplatz zwei brachte.

UEFA:

Sofort oder am nächsten Tag um 12 Uhr weiterspielen, diese Optionen gab der europäische Verband den Dänen nach dem Eriksen-Zusammenbruch. Das war also die Wahl zwischen Pest und Cholera. Auch bei der Regenbogendebatte rund um die Kapitänsschleife von Manuel Neuer oder der abgelehnten Beleuchtung der Münchner Arena machte die UEFA nicht immer den besten Eindruck, wenngleich es verständlich ist, dass man sich nicht politisch vereinnahmen lassen will.

Favoritensiege:

Es gab durchaus überraschende Ergebnisse (durch Finnland oder Ungarn), letztlich blieb aber kein einziger Titelkandidat auf der Strecke. Lediglich die Spanier kamen nur als Gruppenzweiter hinter Schweden weiter. Wirklich überzeugt haben in der kompletten Gruppenphase aber nur wenige Teams wie Italien und Belgien. Dass viele Top-Nationen auch noch Heimvorteil hatten, machte die Sache für die Underdogs nicht leichter.

Enttäuschung:

Kein Team blieb ohne einen Torerfolg, zwei Mannschaften ohne Punkt. Nordmazedonien und die über alle Maßen enttäuschende Türkei. Auch die Russen und Polen blieben hinter den Erwartungen.

Modus:

Dass von 24 Mannschaften gleich 16 weiterkommen, nimmt der Vorrunde doch einiges an Spannung. „Es ist schwieriger, auszuscheiden als aufzusteigen“, lautet ein passender Spruch dazu. Zudem braucht man am letzten Spieltag einen Rechenschieber, um den Überblick zu bewahren.

Der Spruch der Vorrunde:

„Es tut gut, wieder 82 Millionen Teamchefs zu haben und nicht 82 Millionen Virologen“, meinte DFB-Teamspieler Leon Goretzka vor dem Match gegen Ungarn auf die immer wiederkehrende Kritik an der deutschen Mannschaft angesprochen.

Eigentore:

Unglaublich, aber wahr. In der Geschichte der EM-Endrunde gab es von 1960 bis 2016 neun Eigentoren, im aktuellen Turnierverlauf jedoch bereits sieben. Und hoffentlich erweist sich das rappelvolle Budapester Stadion nicht als Corona-Eigentor für die Ungarn.

Torlaune:

Legen auch die Stürmer an den Tag. Vor fünf Jahren in Frankreich fielen im Schnitt 2,12 Tore pro Match, heuer sind es vorerst immerhin 2,61 pro Partie.

Schwache Elferschützen:

Nur acht von 14 trafen.

Fairness:

Erst zwei Rote Karten sprechen bei aller Intensität eine klare Sprache. Auch die Solidarität mit den Dänen oder Bilder wie zum Beispiel von den Konkurrenten Ronaldo und Karim Benzema, die schon auf dem Weg in die Halbzeit abklatschten, zeugen von Sportsgeist. Der Rückgang an gelben Karten ist heuer (durchschnittlich 2,12 pro Spiel) im Vergleich zur Euro 2016 (3,94) bisher ebenfalls erfreulich.

Skandale:

Der beleidigende Torjubel von Marko Arnautovic wurde mit einer Sperre von einem Spiel sanktioniert, noch mehr Skandal war aber der ins Stadion abgestürzte Greenpeace-Paragleiter in München.

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