Eigenblut bei Knie-Arthrose

Als Alternative zu einer konservativen Behandlung von Gelenksarthrosen sowie einer Operation setzen Orthopäden und Sportmediziner zunehmend auf die ACP-Eigenbluttherapie. Studienergebnisse und Rückmeldungen von Patienten sprechen für die neue Methode.

Unfallchirurg und Sportmediziner Bernd Hiller (r.) erläutert seinem Patienten, Dietmar Weppler aus Bad Ischl, wie es um sein Kniegelenk bestellt ist. © Roland Unger

Dietmar Weppler (54) war schon von Kindesbeinen an sehr sportlich. Mit sechs startete der gebürtige Deutsche mit Fußball, spielte dann im Erwachsenenalter in der Regional- liga und wurde Fallschirmspringer bei der Bundeswehr.

Nach einem Unfall, bei dem er einen Meniskus- und Kreuzbandriss erlitt, beschränkte sich Weppler auf aktiven Freizeitsport, wie Tennis, Ski fahren, Fußball, Joggen und Radfahren.

Nach einer Eigenblut-Therapie steht dem Sport nichts mehr im Wege. ©Roland Unger

Die Probleme im bereits angeschlagenen Knie wurden aber immer größer, so dass sogar beim Spazierengehen nach 20 Minuten wegen der Schmerzen Schluss war. „Die ACP-Therapie war meine letzte Rettung“, sagt Weppler, der sich im Frühjahr 2018 dieser Behandlung unterzog. Bereits nach der ersten Spritze spürte der in Bad Ischl Lebende eine deutliche Verbesserung. Ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen waren endlich wieder schmerzfrei möglich.

Vor kurzem unterzog er sich vorsichtshalber einer Folgebehandlung, da ihm längere Spaziergänge wieder leichte Beschwerden bereiteten. „Schon nach der ersten Spritze ging es mir wieder so gut, dass ich mich unmittelbar danach aufs Rad setzen und schmerzfrei trainieren konnte“, erzählt der 54-Jährige erleichtert.

Plasma wird aus dem Blut heraus isoliert

„ACP“ steht für „autologes konditioniertes Plasma“, das aus dem eigenen Blut gewonnen wird. Das heraus isolierte Plasma hat die dreifache Konzentration an Thrombozyten (Blutplättchen). Außerhalb der Blutbahn wirken sie entzündungshemmend und setzen auch Wachstumsfaktoren frei, die die Neubildung von Zellen im Muskel-, Sehnen- und Knorpelgewebe steigern und letztlich auch den Zusammenhalt des körpereigenen Gewebes begünstigen. „Dadurch kann auch eine manchmal ins Auge gefasste Operation vermieden werden“, schildert Bernd Hiller, Unfallchirurg und Sportarzt in Salzburg-Stadt.

In einer rund 15-minütigen ambulanten Behandlung wird dem Patienten eine kleine Menge Blut mit einem Doppelspritzensystem aus der Armvene entnommen. Dann werden die Blutbestandteile mit einer Spezialzentrifuge bei Hochgeschwindigkeit getrennt. Bereits nach fünf Minuten setzt sich das plättchenreiche, hochkonzentrierte Blutplasma ab.

Dieses wird direkt in die betroffene Region, z. B. Kniegelenk, injiziert. „Die Anwendung ist körpereigen und dadurch auch 100 Prozent biologisch und verträglich. Nach meist fünf Behandlungen, jeweils im Abstand einer Woche, ist bei den meisten Patienten ein nachhaltiger Erfolg erreichbar“, meint Hiller.

Auch Patienten, die sich zuvor einer Gelenksoperation unterziehen mussten, können profitieren. „Wie die Erfahrung zeigt, hat die ACP-Behandlung einen positiven Effekt auf die Heilung nach Kreuzband-Plastiken oder Eingriffen am Meniskus oder Knorpel. Weder Cortison noch Hyaluronsäure wären dafür geeignet“, erläutert der Sportmediziner.

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