Ein Abend, der vieles enthüllt

„Böck ist Bruckner III“ in Verstärkung beim Lesen, mit Gesang und Klavier

Wolfgang Böck
Wolfgang Böck © Reinhard Winkler

Es wurde ein ausführlicher, aber geschickt zusammengestellter Abend mit dem Bruckner-Programm von Wolfgang Böck, das sich im dritten Teil der Serie mit Bruckner und Bayreuth und damit auch der schier grenzenlosen Verehrung Bruckners für Richard Wagner beschäftigte.

Der vielseitige Schauspieler hat sich bereits zweimal sehr echt in Bruckner hineingelebt gezeigt und bei seiner Lesung am Mittwoch noch gesteigert. Verstärkt wurde er diesmal durch den bekannten Brecht-Spezialisten und -Darsteller Thomas Thieme.

Dazu kam der aus seiner Linzer Theaterzeit nicht vergessene Pianist Daniel Linton-France, der Klavierstücke von Wagner, Brahms sowie Sinfonie-Entwürfe von Bruckner vortrug und die Sopranistin Elisabeth Wimmer in Liedern von Wagner und Eduard Hanslick begleitete.

Der Bruckner nicht gewogene Kritikerpapst Hanslick ist ja mit diesem nicht besonders gut umgegangen, schätzte ihn aber als Orgelvirtuosen und das nicht erst, nachdem Bruckner etwa in Frankreich bejubelt wurde. In Wien wurde Bruckner nicht so glücklich, man erschwerte ihm manchen verdienten Aufstieg. „In Wien geht ohne Hanslick gar nichts“, reagierte er darauf. Und da werkte auch noch dessen Favorit, der sinfonische Johannes Brahms erfolgreich.

„Armer Organist, …“

Die Lesung beider Herren enthüllte vieles aus Bruckners Briefen, etwa an seinen Leipziger Lehrer Otto Kitzler, seinen Gönner Hofkapellmeister Hermann Levi oder seinen „Abgott“ Richard Wagner, dem er bekanntlich seine dritte Sinfonie widmete. In Tagebuchaufzeichnungen sprach Cosima Wagner über Wien, wo Bruckner seit 1868 weilte: „Armer Organist, ein Jammer, wie es in dieser musikalischen Weltstadt aussieht“ und notierte ihren Traum über Richard, der den Papst besuchen wollte. Der Kondolenzbrief an Cosima zum Tode Wagners 1883 war für Bruckner selbstverständlich und ebenso in seinem unverkennbaren Stil abgefasst, wie er jeden Brief schrieb oder beantwortete, mag er auch eine Ablehnung seines Bittbriefes um eine K.-u.-k.-Anstellung in Wien beinhaltet haben. Alle seine ausgeschmückten Formulierungen rückten das Bild des Meisters wieder nahe, in ihrer Überschwänglichkeit ergebenst ausgedrückt, mit aller Ehrerbietung Damen gegenüber, und verrieten die devote Haltung seiner Umwelt gegenüber. Von und über Bruckner kann man immer noch etwas erfahren. So soll die Böck-Serie noch fortgesetzt werden, jedenfalls bis zum Brucknerjahr 2024. Diesen Wunsch drückte der Beifall des interessiert mitgehenden Publikums aus.

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