Ein Abschied zwischen Trauer und Augenzwinkern

Das berühmte Auryn-Quartett beendet nach 40 Jahren seine Karriere

Bot zum Abschied im Linzer Brucknerhaus einen Abend mit exquisitem Programm: das legendäre Auryn-Quartett.
Bot zum Abschied im Linzer Brucknerhaus einen Abend mit exquisitem Programm: das legendäre Auryn-Quartett. © LIVA

Eine angesichts der Anti-Corona-Bestimmungen doch beachtliche Schar von Fans fand sich am Mittwoch im Brucknerhaus ein, um einen besonderen Abend mit exquisitem Programm zu erleben: Das Linzer Abschiedskonzert des berühmten Auryn-Quartetts, das nach vierzig erfolgreichen Jahren in der weltweit obersten Etage des Quartettspiels quasi als Rekordhalter seine Karriere beendet.

„Letzte“ Streichquartette großer Komponisten

Die vier Künstler — Matthias Lingenfelder, Violine; Jens Oppermann, Violine; Stewart Eaton, Viola; Andreas Arndt, Violoncello — hatten sich zum Thema Abschied eine besonders fein nuancierte Werkauswahl überlegt: Nämlich durchwegs „letzte“ Streichquartette großer Komponisten. Dabei entsprach die Reihenfolge der dargebotenen Werke offenbar bewusst nicht deren stilistischer Chronologie. Denn zunächst waren Gabriel Faurés op. 121 (1924) und Benjamin Brittens op. 94 (1975) zu hören.

Beide Werke waren im Zuge ihrer Entstehung bereits von schwerer Krankheit und wohl auch Todesahnung ihrer Schöpfer überschattet. So klang Fauré in schier endlosen, sich immer wieder neu verschichtenden, harmonisch in Schwebe gehaltenen Tonkaskaden, die nicht von dieser Welt zu sein schienen.

Brittens Werk hingegen hinterließ als fünfsätzige Parabel auf den Kampf zwischen Lebenslust und Angst vor dem unerbittlichen Ende einen besonders tiefen Eindruck. Alle Emotionen und deren Zwischentöne wurden musikalisch klar gedeutet. Vor allem der Gegensatz zwischen dem 3. Satz — eine Gartenidylle mit Vogelgezwitscher — und dem fünften Satz — eine düstere Passacaglia durch Venedig — berührte sehr.

Der zweite Teil des Konzerts war der Wiener Klassik gewidmet. Joseph Haydns Streichquartett Nr.83 d-Moll (1805), das unvollendet blieb, und Ludwig van Beethovens Quartett Nr. 16 in F-Dur op. 135 (1826) strahlten jedes auf seine Weise ein gewissermaßen gelassenes Resümee und im Fall Beethovens sogar einen Schuss Übermut, Persiflage und heiter-kritische Distanz zur Strenge des eigenen Kompositionsstils aus.

Mag sein, dass hier auch schon der Abschiedsgedanke und leise Wehmut eine Rolle gespielt hat, jedoch sicher nicht ein tragödienhaftes Ende. Nachdem die „Auryns“ solchermaßen viele schillernde Facetten des Themas „Abschied“ musikalisch vollendet ausgeleuchtet hatten, folgte gemäß dem jubelnden Applaus eine heiter-pastorale Zugabe: Das Finale aus Haydns „Lerchenquartett“.

Wer das meisterhafte Konzert versäumt hat, sollte im September nach Mondsee reisen: Die dortigen Musiktage stehen zur Gänze unter dem Motto: „Adieu, Auryn-Quartett!“

Von Paul Stepanek

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