„Ein Anfall von Torschlusspanik“

Roland Düringer tourt mit neuem Programm durch Österreich

Alle Auftritte von Roland Düringer— viele davon in Oberösterreich — auf www.dueringer.at
Alle Auftritte von Roland Düringer— viele davon in Oberösterreich — auf www.dueringer.at © Andrea Sojka

Am 15. November gastiert Roland Düringer mit seinem neuen Programm „Africa Twinis“ im Posthof. Mit dem VOLKSBLATT sprach der Kabarettist und Schauspieler über Herzensthemen, Krisen und Kino im Kopf.

Mit „Benzinbrüder“ gewährten Sie Einblick in die Seele eines Autofreaks, wie tief lässt nun „Africa Twinis“ blicken?

Die Tiefe des Einblicks hängt von der jeweiligen Bereitschaft des Betrachters oder der Betrachterin ab. Der auf die Bühne gebrachte Abgrund ist jedenfalls tief genug, um einen Blick in die eigene Psyche zu werfen.

Nach Ihrem Programm „Der Kanzler“ sind Sie mit „Africa Twinis“ zurück bei den schnellen Gefährten. Ist das eine Rückkehr zu Ihrem Herzensthema oder hat sich die Politik auch schon in Ihr Herz geschlichen?

Nein. Zum Ersten: Es geht bei den „Africa Twinis“ nicht um schnelle Gefährte, sondern um zwei in die Jahre gekommene Gefährten und die sind vieles, aber sicher nicht schnell. Hätte die Politik einen Weg in mein Herz gefunden, dann hätte ich wohl einen Fehler gemacht.

Geht’s den Freunden in Ihrem Programm um die Schnelligkeit, ums Genießen, um Träume, um die Freundschaft oder darum, es sich im „fortgeschrittenem“ Alter noch einmal zu beweisen?

Es geht darum, in einem Anfall von Torschlusspanik noch rasch und kurz das Leben zu leben, das man leben wollte, aber daran bislang an der eigenen Trägheit und Feigheit gescheitert ist.

Ist die Männlichkeit in unserer Gesellschaft und unserer Zeit Ihrer Meinung nach in der Krise?

Für mich hat es eher den Anschein, als wäre die Weiblichkeit am Verschwinden und das ist schade. Sie wird uns fehlen. Sowohl den Frauen, als auch den Männern.

Loisl oder Engelbert – wer ist Ihnen der Liebere und wer hat mehr „Roland Düringer“ in sich?

Nicht die Figur trägt mich in sich, sondern ich trage alle Figuren, die ich bisweilen gespielt habe, in mir. Als Schauspieler kann ich nur rausholen, was auch in mir drinnen ist und das ist meinerseits nicht zu bewerten. Ich stehe auch dem Killer in mir neutral gegenüber.

30 Jahre haben Engelbert und Loisl gewartet, um sich ihren Traum zu erfüllen. Was haben Sie sich in den vergangenen 30 Jahren noch nicht erfüllt?

Seien Sie sich nicht zu sicher, dass es den beiden gelingt, ihren Traum vom großen Abenteuer zu erfüllen. Mein Leben ist dazu da, mit Achtsamkeit und Gegenwärtigkeit gelebt zu werden, das versuche ich und es erfüllt mich. Möglichen zukünftigen Ereignissen hündel ich schon lange nicht mehr hinterher.

„Africa Twinis“ als „Hörspiel mit Licht“: Wie kamen Sie auf diese Idee?

Nachdem der Schauwert der Kleinkunst zumeist ein geringer ist und dem Kino wohl kaum das Wasser reichen kann, liegt der Fokus bei den „Africa Twinis“ auf dem, was man hört. Räume werden durch Sounds geschaffen und im besten Fall entsteht Kino im Kopf, aber nur dann, wenn man bei der Sache ist und willens zuzuhören.

Wieder die Wiener Stadthalle füllen – ein Wunsch für „Africa Twinis“?

Das war nie ein Wunsch, sondern ist passiert. Wer einmal als Kleinkünstler in der Wiener Stadthalle aufgetreten ist, weiß, dass dies kein Herzenswunsch sein kann.

Gibt es aktuelle Filmpläne?

Nein, ich wurde diesbezüglich nicht angefragt und selbst werde ich keinen Film machen wollen. Kopfkino reicht vollends, es ist weniger verschwenderisch, man kann seine Ideen eins zu eins umsetzen und hält ein Rudel von Köchen vom Topf fern.

Mit ROLAND DÜRINGER sprach Mariella Moshammer

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