Ein besonderer Mann, kein Held

Damian Chazelles etwas trocken geratene Neil-Armstrong-Bio „Aufbruch zum Mond“

Ryan Gosling spielt Neil Armstrong
Ryan Gosling spielt Neil Armstrong © UPI

Von Renate Wagner

Hunderte Piloten arbeiteten für die NASA, aber nur einer konnte der erste „Mann am Mond“ sein. Neil Armstrong hat es verdient. In diesem Film erzählt Regisseur Damien Chazelle die Geschichte eines besonderen Mannes, der allerdings auf der Leinwand keine Sekunde als Held erscheint. Im Gegenteil: „Normaler“ als Ryan Gosling ihn darstellt, kann jemand, der in der Weltgeschichte aufscheint, kaum wirken. Vielleicht liegt es daran, dass der Film, den frühere Generationen zur pathetischen Strahlemann-Geschichte aufgeblasen hätten, gar ein wenig trocken wirkt.

Aufgrund einer sauber recherchierten Biografie wird hier die Geschichte eines Jahrzehnts erzählt — die Sechzigerjahre, als der „Kalte Krieg“ zwischen den USA und der damaligen UdSSR auf allen Ebenen tobte. Der Kampf um den Weltraum war ein Prestigeprojekt. Das große Endziel: den Mond zu erreichen. Die USA investierten ungeheure Mittel in Forschung und Experimente.

Und sie brauchte Männer dafür, die keine Hitzköpfe waren, sondern ruhige Persönlichkeiten wie Armstrong, der gleicherweise Testpilot wie auch Ingenieur war. Man erlebt ihn privat, zu Beginn mit der Tragödie, dass seine zweijährige Tochter an Krebs stirbt, dann mit Gattin und zwei kleinen Söhnen in Houston, Texas, wo er mit seinen Kollegen in einer Art Camp lebte und rund um die Uhr mit harten Experimenten befasst war. Man sieht den „beruflichen“ Armstrong mit seinen Vorgesetzten, die ihn dank seiner Qualitäten immer mehr ins Zentrum rücken, mit seinen Kollegen (von denen drei bei der Challenger-Katastrophe in ihrer Kapsel verbrennen), unter Druck in simulierten Situationen … Als Zuseher fühlt man sich mit den Astronauten eingesperrt in ihren Anzügen, unter ihren Helmen, in ihren Kapseln gefangen. Und der Film vergisst nicht auf die vielen Toten, die am Weg liegen, Opfer der nötigen Test-Experimente, die schief gegangen sind.

Der 135-Minuten-Streifen kulminiert schließlich im Flug auf den Mond, lässt den Kinobesucher an jenem legendären 21. Juli 1969 dabei sein, als — im Kino wird es atemberaubend still — Armstrong den berühmten ersten Schritt tat, ein kleiner für einen Menschen, ein großer für die Menschheit …

Im Vergleich zu Regisseur Chazelles Oscar-Film „La La Land“ (auch mit Ryan Gosling) wirkt „Aufbruch zum Mond“ wie eine Dokumentation. In mancher Hinsicht ist der Film das wohl auch.