Ein Debüt, das viel mehr Beachtung verdient hätte

Konstantin Lifschitz
Konstantin Lifschitz © LIVA

Nach dem langen Entbehren von Live-Konzerten lähmt die Pandemie offenbar noch immer die Lust zum Konzertbesuch. Da kam der ukrainische Pianist Konstantin Lifschitz (45) mit einem beachtenswerten Abend am Freitag erstmals ins Linzer Brucknerhaus und der Mittlere Saal war bei allen Zwangseinschränkungen auf den Plätzen enttäuschend besetzt.

Seit 20 Jahren wird der Künstler auf bedeutenden Bühnen der Welt gefeiert, müsste also bekannt sein schon von seinen vielen CD-Aufnahmen, für die er den ECHO-Klassikpreis in der Tasche hat, und er war bereits für einen Grammy nominiert.

Der Top-Pianist präsentierte sich mit Werken von Francois Couperin (1668-1733) als großer Träumer und Klangzauberer. Alte Musik floss vom Vertreter alter Schule, der u.a. von Alfred Brendel und Leon Fleisher geprägt wurde, bei ruhiger Haltung im barocken Geist aus der und in die Klaviatur. Die Stücke aus dem „Second livre de pièces de clavecin“ Couperins haben wenig mit den zu dessen Zeit „tanzgewohnten“ Suiten zu tun.

Die gestalterische Einfachheit entsprach genau den charakteristischen Einzelsätzen mit ihren programmatischen Überschriften und sie waren von Lifschitz wohl absichtlich so gedeutet. Und auch in der folgenden, von ihm tempobeschleunigten Bach Partita B-Dur BWV 825 zeigten sich Ehrlichkeit und Intelligenz eines gewissenhaften Interpreten.

Erst bei Beethoven (Klaviersonate Nr. 9), Schumann (die jugendlich übermütigen 12 Papillons op.2) und Schubert (späte Klaviersonate „Gasteiner“) kamen Lifschitzs Wandlungsfähigkeit, sein literarischer Blick auf den Stellenwert der Werke und ganz besonders eine auffallend kontraststarke Behandlung der Dynamikskala bis hin zu oft schockierenden Übergängen ins Spiel.

Mit Lifschitz war die Bekanntschaft mit einer der interessantesten Pianisten-Persönlichkeiten von heute zu machen. Dafür dankten die wenigen Zuhörer, bis sie mit zwei Zugaben belohnt wurden. Georgina Szeless

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