Ein echter „Feuertag“

Der heutige Florianitag ist nicht nur ein offizieller Feiertag in Oberösterreich, der Heilige ist ja der Landespatron, sondern ein weltweiter Festtag für die Feuerwehren – und in OÖ haben die über 900 Wehren heuer gleich einen doppelten Grund zum Feiern: Vor 150 Jahren wurde nämlich der Landes-Feuerwehrverband gegründet.

Mit Handdruckspritzen startete man anno 1869 den Löschangriff
Mit Handdruckspritzen startete man anno 1869 den Löschangriff © OÖLFV

Schon in Urzeiten machte sich der Mensch das Feuer zu Nutze, brandgefährlich blieb es aber trotzdem. Und immer wieder hat das Feuer seine zerstörerische Kraft gezeigt – egal ob in Kriegs- oder Friedenszeiten.

Klar ist deshalb, dass mit der Nutzung des Feuers auch die Brandbekämpfung einherging. Das erste Universallöschmittel war vermutlich eine Art „Feuerpatschen“ mit denen die Flammen erstickt wurden. Aus prähistorischer Zeit sind aber auch schon Eimer aus Leder gefunden worden, die ebenfalls zur Brandbekämpfung gedient haben könnten. Und der altbabylonische König Hammurabi hat um 1700 vor Christi seinem Codex die ersten gesetzlich vorgeschriebenen feuerpolizeilichen Regeln für Gebäude erteilt.

Bei den alten Römer gab es die ersten Feuerwehren – bei diesen „Cohortes vigilum“ gab es Wasserträger, Spritzenleute, Beleuchter, Hornisten und Centonarii, diese versuchten das Übergreifen mit nassen Decken zu verhindern. Der Niedergang der Römer warf auch das Feuerwehrwesen zurück:

1221 wurde die erste Feuerordnung Österreichs von Herzog Leopold VI. für Wien erlassen. Darin heißt es, dass der, in dessen Haus ein Feuer ausbricht, zu einer Geldstrafe verurteilt wird. Aber der, dessen Haus niederbrennt, nicht belangt werden soll, denn der wäre bestraft genug. 1686 drei Jahre nach der zweiten Türkenbelagerung erfolgte die Gründung der ersten „Berufsfeuerwehr“ in Wien. Diese vier Feuerknechte unterstanden dem Bürgermeister und bildeten eine Art Kaderpersonal, das bei einem Brand den Bürgern sagte, was sie zu tun haben. So richtig professionell und flächendeckend wurde die Feuerwehr dann im 19. Jahrhundert. Dabei spielte das Innviertel, das bis 1779 und dann kurzzeitig während des Napoleonischen Krieges zu Bayern gehörte, als „Transitland“ des deutschen Feuerwehrwesens eine wichtige Vorreiterrolle.

Gründungswelle in den 1860er Jahren

In Oberösterreich kam es in den 1860er-Jahr zu einer Gründungswelle: 1864 begann diese in Steyr, 1865 folgten Enns und Bad Ischl, 1866 Braunau, Gmunden, Linz und Ried im Innkreis, 1867 gründete sich die FF Wels und FF Kirchdorf, 1868 wurden Feuerwehren in Aschach, Engelhartszell, Hofkirchen bei Lembach und Kremsmünster gegründet, 1869 in Eferding, Freistadt, Mattighofen, Mauthausen, Mondsee und in der Steyr-Waffenfabrik.
Die FF Wels initiierte auch den Feuerwehrtag, um die gemeinsamen Anliegen der oberösterreichischen Feuerwehren zu besprechen. So wurde am 25. Juli 1869 die erste Verbandsversammlung abgehalten – quasi die Geburtsstunde des Oö. Feuerwehrverbandes.

Im Jahr 1871 wurde die Einführung gleicher Signale, Kommandos und Bezeichnungen der Chargen beschlossen. Außerdem einigten sich die Feuerwehren darauf, auch die Gerätschaften und deren Behandlung aufeinander abzustimmen. In den folgenden Jahren entwickelte sich das Feuerwehrwesen rasant weiter. Die Mitgliederzahlen stiegen von anfangs 16 Feuerwehren auf 78 im Jahr 1880. Zehn Jahre später gehörten bereits 219 Feuerwehren dem Verband an. Um die Jahrhundertwende wurde die Löschwasserversorgung in den Gemeinden systematisch durch Wasserkarten verbessert. Bis 1930 stieg die Anzahl der Mitgliedsfeuerwehren auf 937 an.

Große Veränderungen führte der Zweite Weltkrieg herbei: Nach dem Einmarsch der Deutschen im März 1938 wurden Österreichs Feuerwehren dem deutschen Feuerwehrwesen angeglichen und im Oktober 1939 auch der Landesverband aufgelöst. Nach dem Kriegsende musste der Feuerwehrverband und die allgemeine Schlagkraft wieder mühsam aufgebaut werden.

Ein Ziel war und ist die Ausstattung der Feuerwehren mit der jeweils modernsten Technik. So sorgte die Aktion „TLF 2000 Trupp“ zu Beginn der 1970er Jahre für eine Verdoppelung der Anzahl von Tanklöschfahrzeugen bei den oö. Wehren und trug damit maßgeblich zu einem höheren Sicherheitsstandard im Land bei. Zuletzt unterstützte der Verband die Beschaffung von Wärmebildkameras, um im Ernstfall Brandherde noch effizienter zu lokalisieren und Personen aufzufinden, aber auch zum Schutz der eigenen Einsatzkräfte. Der Landes-Feuerwehrverband unterhält und betreibt die Landeswarnzentrale. Sie ist zentrale Anlaufstelle für Notrufe und somit das Tor zur raschen Hilfe.

Die Landeswarnzentrale ist sieben Tage die Woche rund um die Uhr in Betrieb. Seit 1956 ist der Feuerwehrverband auch offiziell zum Katastrophenhilfsdienst des Landes beauftragt.
Derzeit sind im Landes-Feuerwehrverband 914 Wehren organisiert, diese haben insgesamt 65.702 aktive Mitglieder und 17.475 in der Reserve, hinzu kommen noch über 10.000 junge Menschen, die sich engagieren. In Summe wurden im Vorjahr 6,85 Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet, 576.574 Stunden davon bei 62.434 Einsätzen.

Sonderausstellung

Wer sich noch genauer für die Geschichte des Oö. Landes-Feuerwehrverbandes interessiert, sollte das Oö. Feuerwehrmuseum in St. Florian besuchen. Im barocken Meierhof des Stiftes kann man sich Hand-, Dampf- und Motorspritzen, Tanklöschfahrzeuge, Uniformen sowie zahlreiche weitere Ausrüstungsgegenstände anschauen. Ab 12. Mai gibt es dort die Sonderausstellung zu „150 Jahre Oberösterreichischer Landes-Feuerwehrverband“. Informationen im Internet unter: www.ooelfv.at

Wie ist Ihre Meinung?