Ein Fest für die neue Königin

Lettische Starorganistin Iveta Apkalna mit erstem Solokonzert auf der Brucknerhaus-Orgel

Iveta Apkalna an der neuen Brucknerhaus-Orgel.
Iveta Apkalna an der neuen Brucknerhaus-Orgel. © Reinhard Winkler

Von Georgina Szeless

Wie ein Geschenk vom Himmel fiel die neue, in Rekordzeit errichtete Orgel aus der Riegler-Werkstätte in Vorarlberg ins Brucknerhaus und ermöglichte wieder eine Orgelkonzertreihe im Brucknerfest. Das Prachtstück haben die Kenner und Liebhaber beim ersten Anblick spontan ins Herz geschlossen. Sie füllten am Montag den Großen Saal für das einmalige Ereignis.

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Bruckners Spirit war zu spüren, als die weltweit gefragte Titularorganistin der Hamburger Elbphilharmonie, Iveta Apkalna, über die blumengeschmückten Treppen zum Spieltisch hinaufging. Ganz schlicht im schwarzen engen Catsuit und später im weißen Hosenanzug, als hieße es für sie bei jährlich etwa 60 bespielten Orgeln diesmal einen geweihten Akt zu absolvieren. Und ein solcher wurde es auch bei der Geradlinigkeit und Strenge ihrer Haltung, zumal sie die Auflage hatte, sich Bruckners Werken zu widmen. Da dieses Ouevre des großen Organisten aber bekanntlich nicht abendfüllend wäre, nahm sie Stücke ins Programm, die Bruckner selbst noch pflegte und deren Noten aus dem Nachlass Bruckners stammten. Wie souverän die Künstlerin diese Herausforderung ohne Eintönigkeit meisterte, war allein schon eine Meisterleistung und ein Beweis für das in den Registern klug eingespeicherte Programm, denn die Zeit der hilfreichen Registranten ist genauso vorbei wie die der früher oben vom Orgelprospekt herausragenden „spanischen Trompeten“. Wem ist das schon aufgefallen?

Im glasklaren Fluss der Polyphonie

Die Bruckner-Ehre stand am Beginn des Abends mit Vorspiel und Fuge c-Moll, mehr als ein harmonischer Versuch des Meisters, und noch einmal durch das bekannte „Perger Präludium“, die erbetene Widmung an einen Lederhändler, den Bruckner auf seiner Reise zu den Bayreuther Festspielen kennengelernt hatte.

Dann brachte Iveta Apkalna dreimal den verehrten Bach zum Klingen, demütig, präzis im glasklaren Fluss der Polyphonie: Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564, die Triosonate Nr. 3 d-Moll BWV 527 und Präludium und Fuge D-Dur BWV 532. Mit großer Bewunderung, wie sie die ungleichen Fugenthemen tempomäßig oder auch dynamisch voneinander abgegrenzt differenziert deutete, wie sich dies auch bei Johann Georg Albrechtsbergers registerarmen elegant, im galanten Stil gefassten Präludien und Fugen aus dessen Werksammlung Nr. 6 heraushören ließ. Für Felix Mendelssohn-Bartholdys Sonatenwerk aus dem sechsteiligen Opus 65 hatte die Organistin noch weitere gestalterische Höhepunkte bereit. Die romantisch inspirierte zweisätzige Nummer 3 mit der Doppelfuge nebst Choral „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ sollte ihren gar nicht sonatengerechten Aufbau erkennen lassen und die Nummer 4 in vier Sätzen, etwas zu Unrecht vernachlässigt, klang wiederum mehr rondoartig in ihrer chorisch-hymnischen Diktion bis im Finale „Sommernachts-Traumgespinste“ für die Orgel das Werk beenden.

Wildes Gegenwartsstück aus ihrem Repertoire

Die Zugabe musste sein nach dem schallenden Applaus für die prominente Interpretin, und sie überraschte nicht wenig mit einem wilden Gegenwartsstück aus ihrem Repertoire zeitgenössischer Orgelmusik, leider nicht mit dem von ihr ungeliebten Improvisieren als Gruß an den Großmeister Bruckner. Sie applaudierte lieber seinem Instrument und holte auch noch seine Erbauer auf die Bühne.