Ein Fixstern: Klangwolke widmet sich der Sonne

Zum 40-Jahr-Jubiläum inszeniert Theaterlegende David Pountney die Klangwolke im Donaupark — Feuer, DJ & Bruckner inklusive

Die Sonne und die Menschen: Regisseur David Pountney inszeniert in Linz ein durchkomponiertes Werk ganz im Zeichen des Fixsterns unseres Universums.
Die Sonne und die Menschen: Regisseur David Pountney inszeniert in Linz ein durchkomponiertes Werk ganz im Zeichen des Fixsterns unseres Universums. © Winkler, Haneke

Es seien immer wichtige Anlässe, die ihn nach Linz führen, sagte gestern der Regisseur und langjährige Intendant der Bregenzer Festspiele (2003 bis 2014), David Pountney.

2013 inszenierte die britische Theaterlegende zur Eröffnung des Musiktheaters in Linz Philip Glass’ Oper „Spuren der Verirrten“, gestern gab er in der Sparkasse OÖ bekannt, für die Klangwolke 2019 verantwortlich zu zeichnen.

2,5 Millionen Besucher in 40 Jahren & eine Absage

Für das Jubiläum — 1979 lockte die Klangwolke das erste Mal in die oberösterreichische Landeshauptstadt — würde es ein „pompöses Werk werden“, versprach Brucknerhaus-Chef Dietmar Kerschbaum und lobte die kühnen und aufwendigen Effekte, die Pountney bei den Open-Air-Inszenierungen in Bregenz prägte, die jedoch „nie Selbstzweck, sondern kongeniale künstlerische Ausdrucksmittel“seien. Übrigens: Bisher besuchten rund 2,5 Millionen Menschen die Klangwolke, die in den 40 Jahren ihres Bestehens erst einmal — sturmbedingt — abgesagt werden musste.

In Linz widmen sich Pountney und sein Team heuer Elementarem: Unter dem Titel „Solar“ wird in fünf Akten die Sonne und die Beziehung der Menschen zu ihr gewürdigt. Auch wenn ein durchaus wissenschaftlicher Ansatz manche Teile leitet und Videokünstler David Haneke, Sohn der Regielegende Michael Haneke, auf originale NASA-Aufnahmen der Sonne für seine Projektionen zurückgreift, werde die Klangwolke „keine Lehrstunde“, versprach der 71-jährige Regisseur. Auch die Textpassagen seien wenige und kurz, Musik und Visuelles würde am 7. September (Beginn ist um 20.30 Uhr) dominieren. „Die Sonne ist das Element unseres Universums, das unser Leben möglich macht. Sie ist es wert, ganz in den Mittelpunkt gestellt zu werden.“

Geburtstag feiert heuer nicht nur die Klangwolke, sondern auch deren Hauptsponsor, die Sparkasse OÖ — allerdings bereits den 170. „Die Klangwolke ist für die Sparkasse schon zur Herzensangelegenheit geworden“, betonte Sparkasse OÖ-Generaldirektor Michael Rockenschaub, dem Bürgermeister Klaus Luger für die treue Unterstützung dankte. Insgesamt werde die Klangwolke 900.000 Euro kosten, ergänzte Kerschbaum.

Acht Schiffe, hunderte Teilnehmer und viel Musik

Die heurige Jubiläums-Klangwolke wird großteils auf der Donau stattfinden, sieben bis acht Schiffe kommen zum Einsatz, auf einem wird eine riesige Scheibe Platz finden, die Hanekes Videoarbeiten zum Objekt werden lassen. Feuer und wagemutige Stunts werden eine bedeutende Rolle spielen, verantwortlich dafür Ran Arthur Braun. „Er ist zuständig für alles, was explodiert“, so Pountney. Gezeigt wird auch ein Video mit Tanzeinlagen, choreografiert von Amir Hosseinpour. Tänzerisch begabt sollte der Großteil jener 140 Statisten sein, die das Brucknerhaus noch sucht. Mitmachen kann jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist und zwischen 18. August (bzw. 31. August) und 6. September für Probenarbeiten abends Zeit hat. (Anmeldungen bei Katrin Fink, Tel.-Nr.: 0660/3951870). Die Statisten werden auch mit einem der 400 Kostüme von Anne Marie Liegenstein ausgestattet.

Eine besondere Herausforderung sei es gewesen, so Pountney, dass man weder Handlung, Text noch Musik für eine Klangwolke habe. „Wir mussten alles neu erfinden.“Musikalisch waren dafür Nick Powell und Pountneys Sohn James, der als Drum-and-bass-DJ Culture Shock bekannt ist, verantwortlich. Verarbeitet wurden dabei auch heimische Klänge, konkret Bruckners 8. Sinfonie. mmo

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