Eric Clapton: Ein „Gitarrengott“, der sich selbst ständig neu erfindet

„Mr. Slowhand“ Eric Clapton feiert heute seinen 75. Geburtstag

Kontinuität und Treue sind seine Sache nicht – weder bei seinen vielen Bands noch seinen Beziehungen. So folgten auf The Roosters, denen er sich mit 17 Jahren anschloss, die Yardbirds, John Mayalls Bluesbreakers, Cream, The Dirty Mac, Blind Faith und später Derek And The Dominos.

Pattie Boyd, die er Beatle George Harrison ausspannte, heiratete er zwar. Das hielt Eric Clapton aber nicht davon ab, während ihrer Ehe Kinder mit anderen Frauen zu zeugen. Das Model Carla Bruni gehörte ebenso zu seinen Groupies wie Sheryl.

Der Grund dürfte wohl in seiner verkorksten Jugend liegen. Weil sein Vater, ein kanadischer Soldat, sich aus dem Staub gemacht hat, wird er im Nachkriegsengland von den Großeltern aufgezogen. Seine nur 16 Jahre ältere Mutter, die als seine große Schwester ausgegeben wird, sieht der junge Eric nur selten.

Nachdem der Schwindel auffliegt, bleibt ein schüchterner Bursch mit Hang zum Selbsthass zurück, schreibt Peter Kemper in seiner kürzlich erschienenen Biografie über den Musiker, der mehr als 130 Millionen Alben verkauft und mit allen Großen der Branche gespielt hat.

Nummer zwei hinter Jimmy Hendrix

Die Konstante im Leben von Eric Clapton, der am 30. März 1945 im britischen Ripley zur Welt kam, ist offenbar der Blues. In ihm vereinen sich Mythen von Außenseitertum, Rebellion und Nonkonformismus, von Männlichkeit, Freiheit und Freizügigkeit, meinte er einmal. Der längst zum „Gitarrengott“ geadelte Musiker schuf zahlreiche Hits, die zu Evergreens mutierten wie etwa „Lay Down Sally“ oder „Wonderful Tonight“. Dies bescherte ihm nicht nur 17 (!) Grammys, sondern im Fachmagazin „Rolling Stone“ den zweiten Platz der 100 größten Gitarristen aller Zeiten hinter Jimmy Hendrix.

Bis es so weit kam, musste Clapton allerdings in den 1970er-Jahren mehrere Krisen und Süchte überwinden. So hatte er nicht nur ein veritables Drogen-, sondern auch ein Alkoholproblem. „Das Problem war nur, dass ich hoffnungslos an der Flasche hing und praktisch jede Kontrolle über mein Trinkverhalten verloren hatte“, gab er in seiner 2007 erschienenen Autobiografie „Mein Leben“ zu. Es bedurfte mehrerer Entziehungskuren um ihn von der Sucht zu befreien. Schwer zu schaffen machte ihm auch der tragische Tod seines Sohnes Conor 1991. Der Vierjährige stürzte beim Spielen durch ein Fenster im 53. Stock eines New Yorker Hochhauses. Diesen Schicksalsschlag verarbeitete er wenig später mit „Tears in Heaven“.

In Österreich war Eric Clapton zuletzt im Juni 2019 zu hören und begeisterte die Besucher in der Wiener Stadthalle mit Nummern wie „Cocain“, „Crossroads“ und „Tearing Us Apart“.

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