Ein Glitzern, ein Schweben

Fulminantes Ars-Finale in der Postcity: Maki Namekawa und Dennis Russell Davies am Flügel

Maki Namekawa und Dennis Russell Davies in der Gleishalle der Postcity
Maki Namekawa und Dennis Russell Davies in der Gleishalle der Postcity © tom mesic

Von Christian Pichler

Das Publikum liebt die Wahllinzerin Maki Namekawa. Obwohl’s in die Pause ging, musste die Pianistin zweimal zurück auf die Bühne und empfing Jubel. Ein Konzert mit Maki Namekawa ereignet sich immer auch mit sachtem Performance-Touch. Zumal, wenn sie Philip Glass interpretiert, diese ihr so vertraute Lebensmusik.

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Fließend, meditativ, eruptiv (die Schicksals-Schläge!). Phasenweise „kriecht“ Namekawa in den Flügel, schnellt zurück, fast hebt es sie vom Stuhl. Ihr Spiel immer hochkonzentriert, mit perfekter Technik.

Montagabend, letzter Tag der Ars Electronica. Das Festival lebendig, atemlos, inhaltlich überschäumend. Ein makabrer Scherz vielleicht, es in der Gleishalle der Postcity mit Glass‘ Filmmusik zu „Mishima“ (1985) ausklingen zu lassen. Dieser Mishima ein, wenn man so will, „Fehler“ (Error: das Festvalthema) im System des modernen Japan. Radikaler Antimodernist, der die Wiedereinsetzung des Tennos als oberstes Staatsoberhaupt forderte. Als Mishimas Revolution — eine Restauration — scheiterte, beging er Seppuku, rituellen Selbstmord.

Plausible Projektionen untermalen dezent

Tragische Geschichte, große Musik, Namekawa spielte die Klavierfassung von Glass als Weltpremiere. Ihr zuzusehen eine Freude, fantastische Musik, hochdramatisch, wiederkehrend das Glass-typische „Glitzern“. Sprudelnde Quelle, ein Kieselstein, von Wasser umspült. Menschliches Tun und Wollen, fürchterlich und doch auch verschwindend im Zeitfluss.

Nach der Pause Namekawa gemeinsam mit Dennis Russell Davies am Klavier.

Auch Russell Davies ein Publikumsliebling, der vormalige Chef des Bruckner Orchesters herzlich empfangen. Drei Stücke, beginnend mit flirrender, redundanter, faszinierender „Piano Phase“ von Steve Reich.

Digitale Wandprojektionen (Andreas Bitesnich, Cori Olan) untermalen dezent, sind mindestens plausibel. Märchenhaft Maurice Ravels „Ma mère l’oye“ mit dem berühmten aufwühlenden Thema, federleicht und impressionistisch, ein Schweben mit Namekawa und Russell Davies. Das kurze „Strokes“ von Glass zum Abschied, langer Beifall und Bravos.

Elegantes, fulminantes Ars-Finale.