Ein hinreißender Bär mit großer Mission

Familienfilm: In „Christopher Robin“ macht sich Pu der Bär auf, seinen erwachsenen Freund zurück in die Welt der Fantasie zu führen

Auch Kuscheltiere brauchen mal eine Auszeit: Pu, Ferkel, I-Aah und Tigger im Urlaubsmodus.
Auch Kuscheltiere brauchen mal eine Auszeit: Pu, Ferkel, I-Aah und Tigger im Urlaubsmodus. © Disney Enterprises

Von Renate Wagner

Hochkonjunktur für Pu den Bären, allerdings nicht für ihn persönlich. Nach „Goodbye Christopher Robin“ (der Film ist vor zwei Monaten angelaufen) erzählt „Christopher Robin“ nun zum zweiten Mal das Schicksal des Jungen, für den „Pu der Bär“ geschrieben wurde. Diesmal allerdings ist er in mittleren Jahren und ein unglücklicher, gestresster Familienvater im Nachkriegs-England.

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Der Disney-Konzern, der die Rechte an dem Millionen-Objekt Pu besitzt und per Animation schon ausgeschlachtet hat, mischt nun „Echtmenschen“ mit den im Computer perfekt animierten Tieren, Pu und seinen Gefährten.

Der Teddybär tritt an, um seinen einstigen Spielgefährten aus seinem öden Erwachsenenleben herauszuholen. Das ergibt in der Regie von Marc Forster einen mit Emotionen geradezu überladenen Film, der in Richtung der erwachsenen Zuschauer mit dem moralischen Zeigefinger winkt, die wahren Werte des Lebens — Familie, Freundschaft, Liebe, Nächstenliebe — nicht zu vergessen.

Die Magie der Fantasie-Welt funktioniert

An die Kinder als Publikum (es ist schließlich ein Film aus dem Hause Disney) ist gedacht, wenn dem „menschlichen“ Hauptdarsteller Ewan McGregor (der die Wandlung von verzagt und resigniert zu lebensfroh durchmacht) ein hinreißender Teddybär gegenübersteht, den man glatt als echt erachten würde. Der kleine Mann, pardon Bär, ist damit beschäftigt (in der Originalfassung ziemlich sentimental krächzend), den Christopher Robin von einst wieder hervorzuholen — mit Erfolg. Der Großteil des Films wird von McGregor und Pu bestritten, und die Magie der erdachten Fantasie-Welt funktioniert immer wieder. („Ein Bär hat wenig Hirn, aber ein großes Herz …“)

Daneben spielt noch die kleine Tochter des Helden eine Rolle, während er sich in einer ziemlich unsympathischen Berufswelt umtun muss. Am Ende ist selbstverständlich alles gut, die anderen Tiere der Pu-Welt marschieren auch noch auf, und wem da nicht das Herz aufgeht, der hat keines, möchte der Film verkünden. Falls man sich vorher nicht an zu viel Zuckrigkeit verschluckt hat.