Ein „König“ im Wandel

Thorsteinn Einarsson über sein neues Album, Probleme, Xavier Naidoo und den Songcontest

Er ist 23 Jahre jung und gilt als eine der größten Nachwuchshoffnungen in der heimischen Popmusik-Szene: Thorsteinn Einarsson. Bekannt wurde er, wie auch Conchita Wurst, durch die ORF-Talentshow „Die große Chance“, in der er 2014 Vierter hinter dem Sieger-Duo Harfonie wurde. Sein Finalsong „Leya“ schoss in die Top-Ten der heimischen Charts und brachte ihm bei der Amadeus-Verleihung 2015 die Auszeichnung als „Songwriter des Jahres“ ein. Gestern veröffentlichte der gebürtige Isländer, der in Salzburg lebt, sein zweites Album „IngI“. Mit dem VOLKSBLATT sprach der gelernte Koch, dessen Eltern sich früh in seiner Kindheit trennten, über seine Musik und Privates, das er mit seinem neuen Werk verarbeitet.

VOLKSBLATT: Sie haben sich die langen Haare abgeschnitten. Warum?

EINARSSON: Es ist einfach symbolisch für einen Neuanfang. Ich glaube, mein Leben ist ein bissl skurril geworden in den letzten Jahren. Ein bissl exzessiv gelebt. Blödsinn gemacht. Scheiße gebaut einfach. Und für mich waren auch die langen Haare die Verkörperung von dieser verzweifelten Zeit.

Was genau hat Sie verzweifelt gemacht?

Ja einfach Familienprobleme. Mein Bruder – schwer drogenabhängig und auch im Gefängnis. Blödsinn gemacht. Ich war in schlechten Freundeskreisen. Und solche Sachen gehen einfach ineinander zusammen und dann realisiert man, dass nicht gerade alles gut läuft.

Verarbeiten Sie diese Geschehnisse mit Ihrem neuen Album?

Ja, natürlich, alle.

In dem Song „Two Hearts“ geht es um die unglückliche Liebe zu einer Amerikanerin. Wie geht es Ihnen jetzt privat?

Sehr gut. Ich habe eine Beziehung und bin sehr glücklich.

Kommt die neue Liebe aus Österreich?

Ja, eine Kärntnerin.

Ihr neues Album heißt „IngI“. Welche Bedeutung hat der Titel?

Das ist mein zweiter Vorname. Am Album mit zwei großen „I“ geschrieben, weil es das zweite Album ist. Es bedeutet übersetzt aus dem Isländischen „König“.

Sie sind gebürtiger Isländer, leben in Salzburg. Wo fühlen Sie sich mehr zu Hause?

In beiden Ländern gleich. Da muss man sich ja nicht entscheiden. Ich habe zwei wunderschöne Heimaten. Und zwei wunderschöne Familien. Das ist super. Alles doppelt.

Inwiefern spielt das eine Rolle in Ihrer Musik?

Viel, ich schreibe viel über meine Familie, über meine Kindheit und Erlebnisse.

Ihr Papa ist Opernsänger. War das klassische Fach auch einmal ein Thema für Sie?

Nein, nie. Ich wollte immer Popmusik machen.

Hat sich Ihr Vater auf dem neuen Album eingebracht?

Ja, bei der ersten Nummer, „The Kick“, hat er das Gitarrensolo gespielt.

Haben Sie alle Songs selbst geschrieben?

Ich habe überall mitgeschrieben. Es kommt alles von mir, ja.

Welche Musik hören Sie privat?

Die Musik, die ich mach’. Also Rock zum Beispiel, Balladen, Pop. Alles was auf meinem Album ist, ist mein Musikgeschmack.

Sie haben eine sehr tiefe Stimme. Tun Sie etwas dafür?

Ich rauche drei Packerl Malboro Rot am Tag (lacht). Nein, die ist einfach so tief.

Sie haben den Einstieg ins Musikbusiness über eine Castingshow gemacht. Wie würden Sie das heute bewerten?

Für mich war es positiv. Es kommt sicher darauf an, was man danach macht. Da muss man halt einen Plan haben.

Hatten Sie so einen Plan?

Ich wollte einfach einen Plattenvertrag kriegen dadurch.

Sie waren 2017 mit den Söhnen Mannheims auf Tour. Was ist Ihnen davon besonders in Erinnerung?

Ja, mit Xavier Naidoo reden über Karriere und wie er sich das aufgebaut hat. Einfach mit ihm ein bissl zu quatschen und Nummern auszutauschen. Das war sehr inspirierend.

Hat er Ihnen Tipps gegeben?

Ja, er hat einfach gesagt, bleib’ immer ehrlich in der Musik, was du machst und steh’ dazu, was du singst.

Er zeigt sich gläubig, sind Sie das auch?

Nein, nicht wirklich. Ich glaube einfach daran, sei nett zu den Menschen in deiner Umge- bung und die werden nett sein zu dir.

Am 1. Juni (19 Uhr, Anm.) treten Sie am Rathausplatz in Gmunden als Einheizer für Michael Patrick Kelly auf. Wie gefällt Ihnen Gmunden?

Oh schön. Es ist wirklich alles so schön.

Was wünschen Sie sich, wo soll Ihre musikalische Reise hingehen?

Qualität. Nur, dass ich gute Musik machen kann, ehrlich. Dass sie schön ist, Leuten den Tag verschönert.

Wäre die Teilnahme am Songcontest etwas für Sie?

Nein, gar nicht. Das ist mehr Show als Musikalität und ich bin Musiker.

Mit THORSTEINN EINARSSON sprach Astrid Braun

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