Ein Künstler will die Welt retten

Linzer Edgar Honetschläger will mit Kunstprojekt Land kaufen und Insekten schützen

Mit einer Installation (l.) in der Landesgalerie stellt Honetschläger (rechts bei Gartenarbeit) heute das Projekt „GoBugsGo“ vor: am Tisch eingelegtes Gemüse und Zeichnungen des Künstlers. Mit dem Biologen Gusenleitner werden Insektensterben und Naturschutz erörtert.
Mit einer Installation (l.) in der Landesgalerie stellt Honetschläger am Donnerstag das Projekt „GoBugsGo“ vor: am Tisch eingelegtes Gemüse und Zeichnungen des Künstlers. Mit dem Biologen Gusenleitner werden Insektensterben und Naturschutz erörtert. © Oö. Landesmuseum/A. Bruckböck, Honetschläger

Von Melanie Wagenhofer

Die Idee zu seinem Naturschutz-, Kunst- und Designprojekt, das er am Donnerstag (18 Uhr, Eintritt frei) in der Linzer Landesgalerie präsentiert, sei ihm aus Verzweiflung gekommen, sagt der gebürtige Linzer Künstler Edgar Honetschläger (52) im VOLKSBLATT-Gespräch: „Ich habe zwölf Jahre in Tokio gelebt und Japan 2011 nach Fukushima verlassen.“ Danach mietete er in der Nähe von Rom ein Haus mit Landwirtschaft. „2017 musste ich nach drei vollkommen trockenen Jahren feststellen, dass es praktisch keine Insekten mehr gab.“ Bei einem Aufenthalt in Australien habe er bemerkt, dass, nachdem Urwald gerodet worden sei, um Kühen Platz zu machen, auf der rund 1000 Kilometer langen Strecke von Brisbane nach Sidney keine anderen Tiere mehr zu sehen waren. „Dann bin ich zurück nach Italien und habe beschlossen, diese Initiative zu gründen.“

Biogemüse und eine Zeichnung für Mitglieder

Die nennt sich „GoBugsGo“ („Bug“ heißt auf Englisch Insekt) und möchte Land auf der ganzen Welt ankaufen, auf dem „die Natur machen kann, was sie will“, um so Biotope für Insekten entstehen zu lassen.

In seinem 700 Quadratmeter großen Garten nahe Rom baut Honetschläger Biogemüse an, das er in unzähligen Arbeitsstunden geerntet und für sein besonderes Kunstprojekt eingelegt hat. „Letzten Sommer bin ich nie ins Wasser gekommen, obwohl ich am Meer wohne.“ Gleichzeitig gestaltete er mit selbst gezeichneten Sujets die Website (gobugsgo.org) und fing an, die Kampagne weltweit zu etablieren. Mittlerweile sei „GoBugsGo“ von Shanghai bis L.A. eingeladen. Im November ist Honetschläger in Wien gestartet, wo er sein Projekt erstmals vorgestellt hat. Die besondere Reise wird ihn unter anderem in Museen nach Deutschland, L.A. oder Sao Paulo führen.

Wer Mitglied bei „GoBugsGo“ — Buggy genannt — werden möchte, kann der Organisation etwa als Help-Buggy einfach nur Zeit schenken. Oder man steigt mit zehn bis 99 Euro ein und wird Herkules-Buggy: „Das sind die, die das Gewicht der Non-Profit-Organisation anfangs stemmen.“ Dafür gibt es ein Zertifikat und ist gelistet. Ab 100 Euro ist man Herkules-Plus- Buggy, kommt in den Genuss von Honetschlägers Eingemachtem und darf sich eine in limitierter Auflage vorliegende Zeichnung des Künstlers aussuchen. Schließlich gibt es noch die A(phrodite)-Buggys, die laufende Kosten wie Grundsteuern übernehmen. Derzeit gibt es insgesamt etwa 600 Buggys.

Demnächst wird das erste Grundstück in Österreich angekauft. Honetschläger und sein wissenschaftlicher Beirat haben schon viele Angebote bekommen. Selbst kleine und minderwertig Flächen seien geeignet: „Wir denken ja nicht in erster Linie an die großen Tiere, sondern an Insekten.“ Zudem gelte es, das Bewusstsein der Gartenbesitzer zu schärfen: „Es muss aufhören mit dieser Manie, dass jeder ständig seinen Rasen mäht. Wenn man fünf- bis sechsmal mäht, bis der Herbst da ist, dann gibt es nichts zum Fressen für die Viecher.“ Wo in der Landwirtschaft früher ein Rain gewesen sei, grenze heute Feld an Feld: „Dabei können die Bauern höhere Erträge erwarten, wenn mehr Insekten da sind, um zu bestäuben.“

Honetschläger freut sich über die vielen Reaktionen auf sein Projekt: „Es macht Spaß, weil das so extrem angenommen wird. Ich komme alleine schon mit dem Beantworten der Mails nicht mehr nach.“ Dass kein Platz für andere Kunstprojekte bleibt, gehöre allerdings zu den Dingen, die ihn unglücklich machen.