Ein Land sieht weiß: OÖ im Banne des Schnees

Lawinengefahr ist in verbauten Gebieten gering, im freien Gelände aber enorm

Hausbesitzer und Hunderte Helfer sind im südlichen Oberösterreich unermüdlich im Einsatz, um die Dächer von den Schneemassen zu befreien.
Hausbesitzer und Hunderte Helfer sind im südlichen Oberösterreich unermüdlich im Einsatz, um die Dächer von den Schneemassen zu befreien. © Laumat.at

LINZ — „Man kann den Helfern nicht genug danken, sie leisten nahezu Übermenschliches“, sagte LH Thomas Stelzer am Donnerstag in einer Pressekonferenz, in der er über die angespannte Situation informierte. Demnach waren während der anhaltenden Schneefälle in den letzten Tagen 31 Straßenmeistereien mit rund 550 Mitarbeitern und 150 Räum- und Streufahrzeugen im Einsatz. Zudem gab es 1500 Feuerwehr-Einsätze, 35 Straßensperren, zwei nicht erreichbare Orte, 23 geschlossene Schulen und Kindergärten sowie 600 Haushalte ohne Strom.

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Und die Lage soll bis Anfang kommender Woche angespannt bleiben, auch wenn der Schneefall heute laut Prognose vorübergehend pausiert. Der nächste ergiebige Niederschlag im Nordstau der Alpen steht von Sonntag bis Dienstag bevor, bis zu einem Meter Neuschnee wird in den Bergen nochmals erwartet. Dazu wehe stürmischer Wind, informierte Stelzer. Die Situation bezeichnete er daher als ernst, aber die Sicherheit im Land sei gegeben. Zumindest in den verbauten Gebieten. Dort drohe dank umfangreicher Schutzmaßnahmen keine Gefahr. Anders im freien Gelände. Dieses gelte es derzeit unter allen Umständen zu meiden, denn die Lawinengefahr sei enorm, appellierte Stelzer an die Eigenverantwortung.

600 Haushalte ohne Strom

Auch wenn der oö Zentralraum nur leicht „angezuckert“ ist, erstickten vor allem das Innere Salzkammergut und das Mühlviertel beinahe im Schnee. Unter der Schneelast abbrechende Äste fallen auf Oberleitungen und sorgen in den beiden Regionen immer wieder für Stromausfälle. 80 Mitarbeiter der Energie AG seien laut Stelzer im Dauereinsatz, um die Störungen zu beheben. Donnerstagmittag waren dennoch 600 Haushalte nicht versorgt.

„Schneefrei“ in Schulen und Kindergärten

Im Süden des Landes waren der Pyhrn-, der Hengst-, der Koppenpass und der Pass Gschütt bis auf weiters für den Verkehr gesperrt. Zahlreiche Bundesstraßen, vor allem im Inneren Salzkammergut, waren nicht befahrbar, weshalb Hallstatt und Obertraun nicht mit dem Auto, sondern nur mit dem Zug erreichbar waren. Gosau sowie die Marktgemeinde St. Leonhard im Mühlviertel waren ganz abgeschnitten, die Verbindung nach Gosau über Rußbach wurde aber am Nachmittag wieder freigegeben. In 23 Schulen und Kindergärten des Landes hieß es am Donnerstag „schneefrei“. Die Feuerwehr stand permanent im Einsatz, um Straßen von umgestürzten Bäumen zu befreien. Das Rote Kreuz war damit beschäftigt, die medizinische Versorgung sicherzustellen.

Dach eingebrochen

Zudem befand sich je eine Kompanie des Bundesheeres im Assistenz-Einsatz, um im Bereich Rosenau am Hengstpass und in Spital am Pyhrn Schnee von einsturzgefährdeten Dächern zu schaufeln. In Rosenau entgingen die Soldaten nur knapp einer Katastrophe: Kurz nachdem sie das Dach einer Tischlerei verlassen hatten, brach es ein. Personen kamen nicht zu Schaden, der Betrieb war bereits eingestellt.

Dass die Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen so gut funktioniere, liege auch daran, dass „alle Agenden des Katastrophenschutzes in einer Hand liegen“, erklärte Landesrat Elmar Podgorschek (FPÖ). Auch am Wochenende werden sie alle wohl weiter gefordert, wenn der nächste Neuschneeschub ansteht.

Die Lawinengefahr bleibt daher sehr hoch (Stufe 5), Warnstufe rot gilt für die Bezirke Gmunden, Kirchdorf und Steyr-Land. Im Bereich der Nordalpen fielen allein in den zehn Tagen bis zu drei Meter Schnee, die Gesamthöhe betrug bis zu vier Meter.