Ein Leben lang süchtig nach Musik

    Am Donnerstag feiert VOLKSBLATT-Musikkritiker Ingo Rickl seinen 80. Geburtstag

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    Urgestein unter Österreichs Musikkritikern: Ingo Rickl
    Urgestein unter Österreichs Musikkritikern: Ingo Rickl © privat

    „Leider fast 80, doch weiter leidenschaftlich aktiv“, hat VOLKSBLATT-Musikkritiker Ingo Rickl zu seinem 80. Geburtstag auf die Einladung zu seiner Feier geschrieben, die heute in der Freudenau in Szene geht. Erst kürzlich hat er uns die Liste seiner Sommeraktivitäten als Rezensent übermittelt. Auch heuer wird er in Bad Hall sein, in Mörbisch, bei den Salzburger Festspielen und in seinem geliebten Bad Ischl — um nur einige Orte zu nennen, aus denen Rickl kompetent und nach wie vor ohne Computer für das VOLKSBLATT über Oper, Operette und Konzert berichtet.

    „Ich habe halbgeniale Schulfreunde gehabt“

    „Die Liebe zur Musik ist gekommen, weil ich in Salzburg in der Mittelschule einen tollen und relativ berühmten Musiklehrer gehabt habe, den Ferdinand Faber. Und ich habe halbgeniale Schulfreunde gehabt, die mich mitgezogen haben, den Erich Urbanner, der ein sehr bekannter Komponist geworden ist, und den Herbert Feuerstein“, sagt VOLKSBLATT-Musikkritiker Ingo Rickl. Der Autor und Kabarettist Feuerstein, der einst seine scharfe Feder auch für das VOLKSBLATT gewetzt hat, hat übrigens einen Tag nach Ingo Rickl Geburtstag. Er ist freilich ein Jahr älter. „Im Mozarteum hatten wir tolle Leute, den Bernhard Baumgartner — das ist der, der den Feuerstein rausgeschmissen hat.“ Im Elternhaus sei Musik weniger gefragt gewesen, besagte Umgebung habe ihn geprägt, sagt der in Wien-Brigittenau geborene Sohn eines Salzburger Rechtsanwaltes.

    Zum VOLKSBLATT ist Kulturjournalist Ingo Rickl in den Sechzigerjahren gekommen. „Redakteur Herbert Berger, der später in Wien als Dichter bekannt wurde, hat mich angeworben.“ Über Kultur habe er in Wien weniger geschrieben. „Aber ich habe von Wien aus auch die Niederösterreich-Seite für das VOLKSBLATT betreut“, betont Ingo Rickl. „Und da ich immer in Bad Ischl war, hab‘ ich dann die Operette übernommen, auch in Bad Hall …“

    „Jeder Tag ohne Kultur ist für mich verloren“

    Bis 2006 hat Rickl auch als Mann gegolten, der alle Konzerte der Salzburger Mozartwoche seit 1956 gehört hat. Zu seinem 75. Geburtstag war er in Bad Hall im Theater gesessen, um für das VOLKSBLATT zu berichten. Verwandte, darunter Frau und Tochter, und Freunde dürften damit keine große Freude gehabt haben. Sein Credo: „Ich bin süchtig nach Musik, Musik ist mein Leben. Jeder Tag ohne Kultur ist für mich verloren.“ Ihn störe die Kollision in keiner Weise. Er sei fast jeden Abend in einem Konzert, in der Oper oder auch im Theater — und in 30 Vereinen tätig, leite den Verein der Salzburger in Wien, sei Vizepräsident der Ferdinand-Raimund-Gesellschaft …, sagte er mir zu seinem 75. Geburtstag. Zu seinem Achtziger heute kann er einmal innehalten.

    Seine andere große Liebe gehört dem Pferdesport, den er auch für das VOLKSBLATT journalistisch aufbereitet hat, mehrere Zeitungen profitierten von seiner Passion. Er habe sein Büro in der Krieau, Hobby sei gleich Beruf, betonte er, war für Trabersportklub und Amateurfahrervereinigung tätig.

    „Bei mir gibt es keine Fachgrenzen“

    Seine große Liebe gehört der Operette. „Aber bei mir gibt es keine Fachgrenzen: Ich bin in der Staatsoper, im Kellertheater … Nur mit Popmusik kann ich nichts anfangen“, sagt Rickl. Daran hat sich nichts geändert. Bezüglich Geschenken hat er diesmal seiner Einladung den Satz beigefügt: „Rock, Pop und Techno gehören nicht zu meinen Vorlieben.“ Das VOLKSBLATT und wohl viele seiner Leser gratulieren ganz herzlich.

    Philipp Wagenhofer