Ein Leben zwischen Riesenerfolgen und Tragödien

Susanne Marik beim Lehár Festival: Benatzky-Gala neuen Stils

Susanne Marik
Susanne Marik © Manfred Langer

Von Ingo Rickl

Die Chansonette Susanne Marik ist ein doppeltes Wunder: sie dient dem Lehár Festival Bad Ischl seit vielen Jahren als Inspizientin, heuer etwa in 33 Operetten-Aufführungen, und sie ist nicht nur in Ischl eine Chansonsängerin von herausragendem Format. In Wien und Umgebung reist sie gewöhnlich mit ihrem Mann Béla Fischer am Flügel als idealem Partner.

In Bad Ischl wurde für sie im Vorjahr erstmals das von Fischer geleitete Palast-Orchester als musikalischer Partner verpflichtet, dem neben dem musikalischen Leiter Fischer auch Christian Ausserhuber (Klarinette und Bassklarinette), Lenny Dickson (Schlagzeug), Thomas Ritter (Klarinette und Saxofon) sowie Béla Fischer jun. (Keyboard) angehören: jeder ein Solist der Extraklasse.

Anhand von 27 (!) Schlagern kämpft sich Susanne im kleinen Lehár-Theater durch das Leben des Meisters. Ralph Benatzky war ein Arbeitstier, aber auch der Frauenwelt gegenüber sehr zugetan. Seine ersten beiden Gattinnen waren Chansonetten: Fedi Ferard und Josma Selim. Als Josma von Ralphs Verhältnis mit der Tänzerin Mela Hoffmann erfährt, stirbt sie — sicher an „gebrochenem Herzen“. Benatzky heiratet die Jüdin Mela Hoffmann im Jahre 1930, in dem er auch mit dem „Weißen Rössl“ den bedeutendsten Triumph seines Lebens feiert.

Zu den negativen Tatsachen in seinem Leben zählt die Emigration nach Amerika, wo er ebenso wenig musikalisch Fuß fassen konnte wie nach seiner Rückkehr nach Europa. Mit 73 verstarb er an einem Herzschlag und ist in St. Wolfgang begraben.

„Die Lilly vom Picadilly“

Von den Schlagern wollen wir hier nur einige aufzählen, die in der Instrumentation des Palast-Orchesters einen speziellen „neuen“ Klang besitzen. „Ich lade sie ein, Fräulein zu einem Glas Wein, Fräulein“ ist von freundschaftlicher Melancholie geprägt, um etwa vom Karl-Farkas-Chanson „Was hast Du schon davon, wenn ich dich liebe?“ kontrastiert zu werden. Dann gab es auch Heurigenlieder zu hören: „Ich muss wieder einmal in Grinzing sein“ etwa. Einen grandiosen Kontrast erzielte Susanne mit den beiden Robert-Stolz-Kompositionen „Die ganze Welt ist himmelblau“ und „Wenn die kleinen Veilchen blühen“ im Gegenüber zu Paul Abrahams flottem Song „My Golden Baby“ oder Benatzkys Abendmotto „Die Lilly vom Piccadilly“.

Besonders gerne singt Susanne Marik Melodien, die einst der heute als „Legende“ geltenden Zarah Leander auf den Leib geschrieben waren: etwa „Kinostar“, „Ich steh’ im Regen“ und „Yes Sir“. Marik findet ihre eigene gleichwertige Interpretation. Die Textverständlichkeit ist von präziser Klarheit gezeichnet. Marik nimmt gerne Kontakt mit Besuchern auf — mitsingen erwünscht!

Mit der Zugabe „Was kann der Béla denn dafür, dass er so schön ist?“ klang ein wichtiger Abend des Lehár Festivals aus, wobei man sich als schwitzend überforderter Besucher wünschen darf, dass das angedeutete neue Programm 2020 von Intendant Thomas Enzinger im Interesse des Publikums und der Künstler im großen Haus stattfinden wird.

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