Ein Loblied auf die Schreibmaschine

Beschwingte, liebevoll und leidenschaftlich erzählte Doku „California Typewriter“ auf Amazon Prime

Die gute, alte Schreibmaschine: Ein nostalgisches Filmporträt über eine sterbende Ära.
Die gute, alte Schreibmaschine: Ein nostalgisches Filmporträt über eine sterbende Ära. © Patrick Daxenbichler-stock.adobe.com

Wer kennt das mittlerweile nicht? Im Fernsehen läuft am späteren Abend nichts G’scheites, mal schauen, was auf dem Streamingdienst Amazon Prime soll alles angeboten wird. Vergangene Woche war mal wieder so ein Abend, der mit einer überraschenden Neuentdeckung aufwartete: dem Film „California Typewriter“.

Was folgte war eine liebevoll konstruierte Dokumentation über das technische Wunderwerk Schreibmaschine. Regisseur Doug Nichol zeigt in knapp eindreiviertel Stunden vor, wie mit einer Mischung aus Interviews von Künstlern, Autoren und Sammlern und ein leidenschaftlich erzählter roter Faden über den titelgebenden Laden ein nostalgisches, in sich stimmiges Werk entstehen kann.

Sympathie für eine aussterbende Technik

„California Typewriter“ ist das letzte existierende Reperaturgeschäft für Schreibmaschinen. Filmemacher Nichol schafft es, ein hohes Maß an Sympathie für die aussterbende Technik und die Menschen, die mit ihr verbunden waren oder sind, zu vermitteln. Das bewegt. Vor allem auch dann, wenn man erfährt, wie oft schon der Konkurs an die Türe des antiken Geschäfts klopfte und doch immer wieder ein Weg gefunden wurde, weiterzumachen. Die Frage „Wer dient eigentlich wem?“ ist omnipräsent. Die Maschine dem Menschen oder doch umgekehrt? Das Werk regt zum Nachdenken über unsere eigene Beziehung zu Technologie an … und das tut gut. Man möchte das danebenliegende iPhone gleich wieder an die Wand schmeißen. Wer braucht schon einen Computer, wenn man eine Schreibmaschine hat? Ende gut, alles gut? Leider nicht ganz …

Selbst eine abendfüllende Doku, in der auch Stars wie Tom Hanks, John Mayer und Sam Shephard ihre Liebe zur Schreibmaschine bekunden, kann eine aussterbende Epoche wohl nicht aufhalten, wie ich bei meinen aktuellen Recherchen erfahren habe: „California Typewriter“, der Laden im US-amerikanischen Berkeley schloss Ende März 2020 endgültig. Man könnte heulen. Gott sei Dank existiert zumindest der Film „California Typewriter“ weiter und auch wenn dieser am Ende dann doch etwas zu lang geraten ist, erzählt er den jungen Wilden wie einst das schöne Leben einer ganzen Schriftsteller-Generation ausgesehen hat.

Von Andreas Huber

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