Ein Mann und sein Lieblingsteil

Schräger Kampf für eine jackenlose Gesellschaft — Quentin Dupieux' „Monsieur Killerstyle“ zwischen Splatter, Komödie und Drama

Schauspieler Jean Dujardin ist ein Kerl, ein richtiger. Einer, der eigentlich keine Statussymbole braucht. Aber als Georges in „Monsieur Killerstyle“ hat er es plötzlich mehr als nötig, sich sein Leben aufzupeppen.

Unmengen an Geld gibt er für eine zu kurz geratene Lederjacke mit Fransen aus und kann kaum den Blick von ihr wenden, wenn sie sich an seinen Körper schmiegt. Das ist aber nicht alles, was das gute Teil kann — es spricht auch mit seinem Träger. Ja, gut, die Jacke hat jetzt weder Mund noch Stimmbänder, die leiht Georges ihr. Aber diese herrlich irritierenden, komischen Szenen, in denen sich das Kleidungsstück und Georges unterhalten, sind grandios.

Und was will so ein wildes Stück? Nicht alleine, aber doch einzigartig sein. Also müssen Wildlederhose, -hut, -stiefel und -handschuhe her, alle anderen Jacken auf Erden aber weg. Jackenlos soll die Gesellschaft sein und dafür will Georges mit allen Mitteln sorgen.

Regisseur Quentin Dupieux soll eine Idee für sein Drehbuch gehabt haben: Ein großer, kräftiger Schauspieler in einer viel zu kleinen Jacke. Das konnte nur ein wahnsinniger Spaß werden. Ist es auch!

Wenn sich Filmemacher und Serienmörder treffen

Und wem es nach Georges´ Liebelei mit der Jacke noch nicht schon lange schräg genug ist im Kinosessel, der kriegt noch eines drauf und zwar mit einem Rotorblatt — aus dem Ventilator gerissen und am Asphalt geschärft. Dass Dupieux, der vielen unter seinem Pseudonym Mr. Oizo als Musiker und Erfinder von Flat Eric bekannt ist, auch Splatter (also richtig viel Blut) kann, zeigt er dann. Auch das wieder mit einer gehörigen Portion Originalität, Stichwort Autodach. Gerne in Erinnerungen schwelgende Cineasten kommen ebenso auf ihre Kosten, zitiert sich der französische Filmemacher doch durch die Kinogeschichte.

Was Georges in das französische Nirgendwo, in ein absurdes Hotel mitten in ein kleines Dorf gebracht hat, lässt sich nur erahnen. Seine Frau will nicht mehr mit ihm sprechen, es muss schrecklich gewesen sein, der einzige „Ausweg“ der Zusammenbruch, der Wahnsinn. All das lässt Dupieux aber nur in den Köpfen der Zuseher entstehen, er überstrapaziert das Drama nicht, erzählt es aber trotz aller sonst herrschenden Brutalität subtil mit.

Mit auf seinen Mordstripp im mörderischen Outfit nimmt Georges eine junge Frau (Adèle Haenel), die mit ihm den Film realisieren soll, den er vorgibt, zu drehen. Hier treffen sich also Filmemacher und Serienmörder, was für eine Erkenntnis.

Verrückt durchgeknallte Thriller-Komödie rund um ein Stück Hirschwildleder.

Ab sofort im Kino

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