Ein Otello für die Ewigkeit

Startenor Jonas Kaufmann im Gespräch über sein neuestes Album

Ließ sich viel Zeit für seinen Otello und lieferte ein mehr als hörenswertes Ergebnis: Opernstar Jonas Kaufmann.
Ließ sich viel Zeit für seinen Otello und lieferte ein mehr als hörenswertes Ergebnis: Opernstar Jonas Kaufmann. © Gregor Hohenberg

Anlässlich der Neuerscheinung von Verdis „Otello“ auf Tonträger mit dem Startenor Jonas Kaufmann bei Sony Classical wurde von Rom aus eine virtuelle Welt-Pressekonferenz veranstaltet, moderiert von Andrea Penna.

Das VOLKSBLATT war dabei und hatte Gelegenheit, von Jonas Kaufmann und dem Dirigenten Antoni Pappano (60) zu deren gemeinsame Produktion viel Wissenswertes über die Entstehung der Deluxe Edition zu erfahren. Darüber informierten im Vorfeld zusätzlich auch Videoaufnahmen aus dem Studio mit Ausschnitten aus der Oper, deren Gesamteinspielung im vorigen Sommer in Italien eine zweiwöchige intensive Arbeit beanspruchte.

Ein ganz persönlicher Wunsch des Startenors

Viel mehr Aufwand an privilegiertem Einsatz und Liebe zu dem Werk ist kaum vorstellbar. Immerhin handelt es sich nach sechzig Jahren um den ersten römischen Otello seit der legendären Living-Stereo-Aufnahme mit John Vickers in der Titelrolle. Ein ganz persönlicher Wunsch von Kaufmann, Otello zu erobern, eine Traumpartie, mit der er sich nicht umsonst einige Zeit ließ nach mehreren wichtigen Rollen im italienischen Fach. So gab es für ihn einigen Otello-Vorgeschmack auf der Bühne, bis zu einer unstillbaren Sehnsucht nach der Darstellung der Titelrolle in der Tragödie von Shakespeare, um den wie — bekannt ist — auch Verdi ein Leben lang gerungen hatte, bis er erst als Siebzigjähriger mit der kraftvoll-feurigen Partitur das erstaunliche Wunder der Musikgeschichte komponierte. Ob Kaufmann bei dem Eifersuchtsdrama selbst eifersüchtig ist? „Ich habe keine Gelegenheit dazu“.

Die erste Berührung Kaufmanns mit dem Werk geht auf das Jahr 2001 zurück. Es war noch die Rolle des braven Cassio in Chicago, erst 2017 folgte das umjubelte Rollendebüt als mordender Otello am Royal Opera House in London und 2018 vertiefte Kaufmann seine Darstellung der Figur an der Bayerischen Staatsoper in München. Jetzt hat der Startenor seinen Otello für die Ewigkeit geschaffen. Ob die Partie den für sein vielfältiges Repertoire geschätzten Startenor ein Leben lang begleiten wird, „das weiß ich ganz sicher“. Seinen treuen Mitstreiter am Pult Antonio Pappano nennt er einen Glücksfall und hat schon zahlreiche Aufführungen mit ihm bestritten.

Auch die jetzige Studioaufnahme entstand durch Pappanos Betreiben. Aber nicht allein Rosen haben sich die beiden in der Konferenz gestreut, sondern den Dialog immer wieder in fachliche Richtungen gelenkt. Etwa die Unterschiede zwischen der Musik von Puccini und Verdi, auch Wagner, und warum gerade der Otello die totale Identifikation mit der Rolle fordert, weil sie bei Kaufmann „nicht gespielt, sondern gelebt wird“. Die Farben der Musik, das Feuer, die Leidenschaft, die ganze Palette an emotionaler Kraft, das höchste Expressivum, „aber es ist fantastisch zu singen, wenn man die ekstatischen Ausbrüche unter Kontrolle hat“, wie auch Karajan einst meinte. Kann man das alles realisieren im Studio? „Ja, und ob, es muss Spannung herrschen wie auf der Bühne und keine Sekunde des Rastens zulassen“.

Herausragende Elitebesetzung

Dass das gelingt, dafür garantiert auch die herausragende Elitebesetzung: die Desdemona von Federica Lombardi, der Jago von Carlos Alvarez, der Cassio von Liparit Avetisyan, der Rodrigo von Carlo Bosi u.a. Stimmen mit dem Orchestra e Coro dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia. Kaufmann-Fans dürfen ein Erlebnis im Wohnzimmer erwarten.

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