Ein Pultregent, der die Stille sucht

Am kommenden Sonntag feiert der gebürtige Linzer Franz Welser-Möst seinen 60. Geburtstag

Ein Oberösterreicher, der es an die Weltspitze geschafft hat: Dirigent Franz Welser-Möst.
Ein Oberösterreicher, der es an die Weltspitze geschafft hat: Dirigent Franz Welser-Möst. © APA/Pfarrhofer

Franz Welser-Möst ist eine ungewohnte Mischung aus streitbarem Künstler, der im Sinne der Sache zum Äußersten bereit ist, und konziliantem, fast bravem Auftreten.

Ein Dirigent, der als Chef des Cleveland Orchestras zur Weltspitze vorstieß und stets bereit war, sich mit Größen des Kulturbetriebes anzulegen, sollte er seine künstlerische Integrität in Gefahr sehen. Am Sonntag wird der Maestro 60.

Ein Autounfall änderte seine Zukunftspläne

Geboren wurde der Dirigent als Franz Möst am 16. August 1960 in Linz als Sohn des gleichnamigen Arztes und der späteren ÖVP-Politikerin Marilies Möst. Hier besuchte er auch das Musikgymnasium. Die ursprünglich geplante Karriere als Geiger wurde durch einen Autounfall verhindert, aber sein Musiklehrer Balduin Sulzer förderte das junge Talent als Dirigent und beauftragte ihn mit ersten Proben mit dem Schülerorchester. Später sollte aus diesem das Jeunesse-Orchester entstehen, welches der Dirigent bis 1985 leitete.

Im selben Jahr gab er auch sein Debüt bei den Salzburger Festspielen, ein Jahr darauf ging es aufs internationale Parkett mit dem London Philharmonic Orchestra. Dem britischen Klangkörper stand er von 1990 bis 1996 als Musikdirektor vor, wobei es hier in der Zusammenarbeit noch hakte. Welser-Möst musste sich harte Kritik und die Verballhornung seines Namens zu „Frankly Worse than Most“ gefallen lassen. Den Doppelnamen hatte der angehende Maestro Mitte der 1980er auf Anraten seines damaligen Mentors, des Liechtensteiners Andreas von Bennigsen, angenommen. Bennigsen hatte Welser-Möst 1986 adoptiert, bevor es Anfang der 90er zum Bruch kam. Heute ist Franz Welser-Möst mit Bennigsens Ex-Frau Angelika verheiratet.

Nach den harten Lehrjahren in London fasste er aber alsbald Tritt. „Stromlinienförmige Karrieren waren mir schon immer suspekt“, betont Welser-Möst in seiner Autobiografie „Als ich die Stille fand“. Und so ging es 1992 an die Oper Zürich, wo Welser-Möst 43 Premieren verantwortete. Die Stelle des Generalmusikdirektors in Zürich übernahm er 2005, schied jedoch 2008 wieder aus, um sich auf seine Tätigkeit in Wien vorzubereiten. Hier trat er 2010 die Stelle des Generalmusikdirektors an der Staatsoper an.

Meister der kleinen, gezielt gesetzten Gesten

Seit 2002 hat Welser-Möst auch die Position des Chefdirigenten des Cleveland Orchestra inne. Die Zusammenarbeit mit dem vielleicht europäischsten der großen US-Orchester erwies sich als goldrichtig. Der Oberösterreicher ist keine Pultdiva mit weltumspannendem Armgestus, sondern ein Meister der kleinen, gezielt gesetzten Gesten. Mit den Musikern von Cleveland harmoniert das hervorragend.

Das zweite Orchester, zu dem Welser-Möst eine enge Verbindung hat, sind die Wiener Philharmoniker. „Das war anfangs keine Liebe auf den ersten Blick“, so der Dirigent in seiner Autobiografie. Mittlerweile hat sich das geändert. So stand der bald 60-jährige, vielfach Ausgezeichnete bis dato bereits zweimal am Pult des Neujahrskonzerts und dirigiert den Klangkörper regelmäßig, nicht zuletzt immer wieder bei den Salzburger Festspielen.

Bis 2027 läuft sein Cleveland-Vertrag, an die Wiener Staatsoper wird er am 8. September für die Wiederaufnahme von Harry Kupfers „Elektra“ zurückkehren. Ansonsten gilt für den ruhigen Pultdenker auch weiterhin vermutlich die Lebenseinstellung, die er in „Als ich die Stille fand“ skizziert: „Mögen die anderen weiter schreien, bunte Bilder in die Welt schicken und sich überlegen, wie man sonst noch auffallen könnte — ich gebe mich lieber der Muße hin.“

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