Ein revolutionärer Poet & Humanist

Architekturkritiker und Sprachkünstler Friedrich Achleitner (88) gestorben

Der in Oberösterreich geborene Friedrich Achleitner
Der in Oberösterreich geborene Friedrich Achleitner © APA/H. Neubauer

Die Architektur bezeichnete er als „Knochenarbeit“, Literatur war sein Vergnügen. Reüssiert hat Friedrich Achleitner in beiden Metiers. Er verstarb am Mittwoch mit 88 Jahren in Wien. „Mit ihm verlieren das Land und die Republik einen der bedeutendsten Kenner der heimischen Architektur“, gedenkt Landeshauptmann Thomas Stelzer dem Innviertler.

Der am 23. Mai 1930 in Schalchen geborenen Achleitner studierte Architektur, gebaut hat er aber nie etwas. Seine Liebe galt der Literatur. Bereits 1957 war Achleitner gemeinsam mit H. C. Artmann, Gerhard Rühm, Oswald Wiener und Konrad Bayer als legendäre „Wiener Gruppe“ an die Öffentlichkeit getreten und hatte eine sprachexperimentelle Revolution angezettelt. 1959 veröffentlichte Achleitner gemeinsam mit Artmann und Rühm den Dialekt-Band „hosn rosn baa“. Ab den 1960ern schrieb er Architekturkritiken, die mehrbändige Dokumentation „Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“, vollendete er kurz nach seinem 80er.

Achleitner wurden zahlreiche Auszeichnungen verliehen. Vom Land Oberösterreich erhielt er 1995 den Landeskulturpreis und 2004 den „Mauriz-Balzarek-Preis“ — der großer Würdigungspreis des Landes für Architektur.

„Besonders beeindruckend an Friedrich Achleitner war, dass er sich als wachsamer Geist viele Disziplinen der Geisteswissenschaft zu Nutze machte: Er war sprachgewandt, hatte ein außerordentlich breites und tiefgehendes Kunstverständnis und wollte die Menschen wachrütteln — nicht zuletzt, um dem Verfall der Baukultur Einhalt zu gebieten. Mit Friedrich Achleitner hat uns ein großer Humanist verlassen“, so Stelzer.

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