„Ein Ritt durch mein musikalisches Leben“

Franz Morak singt wieder und spricht über Claus Peymann und seine Karriere als Politiker

Knapp 40 Jahre nach der Single „Schizo“ und dem Debütalbum „Morak“ gibt er wieder ein kräftiges musikalisches Lebenszeichen von sich:

Franz Morak, 72, ehemaliger Staatssekretär für Kunst und Medien und Burgtheater-Schauspieler.

VOLKSBLATT: Was hat Sie dazu bewegt, wieder ein Album zu machen?

Ich hab’ an die 50 Lieder geschrieben und finde, dass sie auch heute noch irgendwie gültig sind. Einiges hatte ich auch noch in der Schublade. Ich wollte quasi einen Schlussstein hinter das Ganze setzen und es mit der Literatur eines Siebzigjährigen abrunden. Es ist nicht nur eine Rückschau, sondern ein Ritt durch mein musikalisches Leben geworden. Die Endergebnisse sind nicht Hitparadenstürmer, sondern eher Sachen, die man sich anhören sollte und schauen, ob die eigene Lebenssituation eine ähnliche ist. Es hat etwas mit Anliegen zu tun, mit Lebenserfahrung und auch mit dem Willen, zu leben.

Pop, Rock, Rap, Balladen … wollten Sie auf „Leben isst rohes Fleisch“ Ihr breites Spektrum zum Klingen bringen?

Ich bin dem Christian Kolonovits sehr dankbar dafür, dass er dem Text mit seiner Musik auf die Sprünge geholfen hat.

Wie früher – mit Pädophilie, Kirche, Wahnsinn etc. — spielen die Texte eine wichtige Rolle, sind kritisch und mit Wortspielereien verbunden.

Die Musik ist im Grunde immer Mittel zum Zweck, das sind stets textzentrierte Geschichten. Der Beginn der CD war ein Schöpfungsakt des Geldes, weil mich die ganze Situation um den Euro sehr bewegt. Wenn Sie heute einen kleinen Braunen kaufen und Sie rechnen das um in Schilling, dann verzweifeln Sie. Es geht um das Geld, seine Vermehrung, seine Bewahrer, seine Verlierer, es geht um uns. Keine billige Kapistalismuskritik, sondern, wie gehen wir mit uns und unseren Möglichkeiten um.

Sie sind seit 1974 Mitglied des Burgtheaters, haben sich in der Ära Peymann mit dem Chef des Hauses angelegt und sind dann in die Politik gegangen. Stehen Sie auch heute zu diesen eklatanten Schwenks, immerhin wurden Sie nicht selten angefeindet?

Die Peymann-Geschichte: Es gab damals ein Ensemble, das fix war. Peymann kam mit 30 bis 40 neuen Schauspielern, die im Grunde alles gespielt haben. Das war für die angestammten Schauspieler nicht einfach. Da war grundsätzlich einmal ein Interessenskonflikt zwischen dem Direktor und mir als Personalvertreter. Der zweite Teil der Geschichte war — und das wurde nie kommuniziert: Wir waren es gewohnt im Haus, viele Regisseure, Schauspieler aus Ungarn, Tschechien, Polen, Italien, Frankreich und England zu haben. Und dann gab es plötzlich eine Verengung auf das deutsche Feuilleton. Das war nicht mein Verständnis von Theater, meines ist, dass jedes Theater Stadttheater ist und regional wirken muss. Das war im Grunde der Zwiespalt. Ich habe bei Peymann durchaus große Rollen gespielt, habe unter ihm zum ersten Mal inszeniert. Eine künstlerische Feindschaft bestand also nicht. Der künstlerische Bruch war, wenn dann, selbst verschuldet.

Wurde Ihre Lust am Schreiben durch Ihre anderen Karrieren zeitweise blockiert?

Ich habe in meinem Leben immer das machen können, wozu ich gerade Lust hatte, wenn es auch nach außen hin noch so beschissen ausgeschaut hat. Ich war ganz sicher, so geht’s. Das war am Theater so, das war mit dem Inszenieren so. Weil es mir damals fad war am Theater, hab ich mit der Rockmusik angefangen. Dann kamen Busek und Görg und haben gefragt, ob ich in die Politik gehen möchte. Ich fand das ganz toll und habe es mit einer unglaublichen Leidenschaft gemacht. Die Politik hat mir die Möglichkeit gegeben, der Busek hat mir ein Budget gegeben, ein Büro, ich konnte Geschichten machen.

Zeitweise galten Sie musikalisch, textlich und bei Ihren Auftritten als Punk. Wie haben Sie das mit den Werten der bürgerlichen Partei vereinbart, für die Sie im Nationalrat waren, für die ÖVP?

Ich war immer Bürger und habe im Theater gespielt vor lauter solchen Leuten. Die hören nicht nur Mozart und Gabalier, die haben auch die Beatles gehört und die Stones. Was ich gemacht habe, war Musik unserer Zeit. Abgesehen davon haben die spannendste Kulturpolitik in Wahrheit die Konservativen gemacht.

Was war für Sie als Staatssekretär Ihr herausragendes Unterfangen?

Die Medienpolitik, zu meiner Zeit wurde durch ein neues ORF-Gesetz quasi Privatfernsehen und -radio ermöglicht. Dass sich keiner daran hält, oder nur sporadisch, ist eine andere Frage. Dann gab es die Künstlersozialversicherung und all die Förderungen, die ich für den Film gemacht habe, damit eine Szene entstehen kann jenseits der ORF-Aufträge, weiters die Förderung österreichischet Popmusik oder den Ernst Jandl-Preis.

Wie stehen Sie zur „jugendlichen“ Politkultur von Kanzler Sebastian Kurz?

Ich halte den Kurz für eines der herausragendsten politischen Talente nicht nur in Österreich, sondern in Europa.

Werden Sie mit Ihrem jüngsten Opus im Alter von 72 Jahren den „Tanz auf dem Vulkan“ wagen und auf Tournee gehen?

Schau’ ma mal, dann werden wir sehen.

Interview: Melanie Wagenhofer

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