Ein schöner Rücken

Die Civic-Limousine von Honda fährt nun auch mit einem Dieselmotor vor, deren größtes Atout der sagenhaft niedrige Verbrauch – bei sehr ansprechenden Fahreigenschaften – ist.

Text & Fotos: Oliver Koch

Der „normale“ Honda Civic-Fünftürer ist ja ein Verkaufsschlager, aber für Freunde der klassischen Limousine haben die Japaner auch diese Karosserievariante im Programm. Optisch ist der Fünfsitzer ein ganz großer Wurf. Das liegt unter anderem an der neuen, schmalen Nase, die dank des Chrombügels darüber und der Lufteinlässe darunter neue Noblesse in den Limousinenschwarm bringt. Die Scheinwerfer und Lufteinlässe sind bei der Limousine deutlich verkleinert worden, was ihm ein freundliches Gesicht verleiht. Markant und elegant ist darüber hinaus das Heck, das klar macht, wer hier das Sagen hat. Und schlussendlich ist auch die V-förmige LED-Hecksignatur ein Meisterwerk des Designs; der 4,65 Meter lange Japaner ist in Summe ein optisch großartiges Fahrzeug mit einem entzückend ansehbaren Rücken.

Aber nicht nur optisch, auch fahrtechnisch glänzt das Fahrzeug. Der 1,35 Tonnen schwere Wagen wird von einem 1,6-Liter-Dieselmotor angetrieben, dessen vier Zylinder 120 Pferde losschicken. Dabei gehen sie es durchaus rasant an; Turboloch ist kaum wahrnehmbar und ab 1500 Touren schiebt der Selbstzünder die Vorderräder mächtig an. Für Schaltfaule ist der Wagen allerdings nicht gedacht, die leichtgängige und kurz geführte Sechsgangbox verlangt rasche Schaltmanöver, will man den Wagen innerhalb von 9,8 Sekunden auf Tempo 100 bringen. Und bei all dem wilden Werken besticht der Motor mit einer enormen Laufruhe und dezenter Akustik. Wem das nicht genug ist, der erfreut sich an einer komfortablen Federung, einer präzisen Lenkung und einer bombensicheren Straßenlage – selbst wenn die Kurven einmal rasanter auf einen zukommen. Gelungen ist den Honda-Ingenieuren eine erhöhte NOx-Umwandlungseffizienz. Während eine Verringerung des NOx-Ausstoßes üblicherweise mit einem höheren Kraftstoffverbrauch einhergeht, ist es Honda dank Senkung von Verbrennungstemperatur und -druck gelungen, sowohl NOx-Ausstoß als auch Kraftstoffverbrauch zu reduzieren. Dadurch spielt der Türke – er läuft im Honda-Werk in Gebrze vom Band – sein größtes Atout beim Verbrauch aus. Die digitale Cockpitanzeige spuckt bei Autobahnfahrten etwa fünf Liter, bei Fahrten durch Stadt und Land teilweise sogar nur um die 4,3 Liter Verbrauch an, selbst wenn der Eco-Modus (bei dem der Leistungsabfall gegenüber dem normalen Modus marginal ist) nicht aktiviert ist.

Sicherheitstechnisch spielt die Limousine in der ersten Liga mit: Der (hypernervöse) Abstandstempomat ist genauso an Bord wie auch Rückfahrkamera, Notbremsfunktion, Toter-Winkel-Warner, Fernlichtassistent, Verkehrszeichenerkennung oder Spurhalteassistent – alle als Bestandteile des Honda Sensing-Pakets.
Innen sitzt man vorne auf dem eng umschlingenden Ledergestühl sehr kommod. Die Sitzeinstellung hinterm erfolgt, genauso wie hinter dem Handschuhfach händisch. Das modern gestaltete Cockpit in der höchsten Ausstattungslinie namens Executive wirkt nobel, die Materialien greifen sich gut an und das vertikal wie horizontal verstellbare Lederlenkrad mit seinen unzählbaren Tasten und Knöpfen liegt sehr gut in der Hand. Gesteuert werden Radio, Klimaanlage, Smartphone oder Navi über Touchbefehle auf dem intuitiv bedienbaren mittigen sieben Zoll großen Bildschirm. Allerdings muss man nach jedem Start die Bedingungen akzeptieren, sonst bleibt der Touchscreen finster. Sehr gut gefallen dafür die Fülle an Ablagen im Civic, der auch mit einem großen Fach im unteren Teil der Mittelkonsole aufwarten kann, welches sogar über eine kabellose Ladefunktion für das Smartphone verfügt. Auf der Rückbank fühlt man sich trotz der abfallenden Dachlinie nicht eingeengt. Der leider nur mittelmäßig verarbeitete Kofferraum mit seinen 519 Litern Fassungsvermögen genügt den Anspruch an eine Limousine: Das Frachtgut muss man aber relativ tief nach der niedrigen Ladekante nach unten plumpsen lassen und über eine elektrisch aufschwingende Heckklappe verfügt die Limousine nicht.

Fazit: Vermutlich erfordert es eine gewisse Portion Mut, eine auffallende Limousine in Zeiten des SUV-Booms zu fahren. Dafür bekommt man aber nicht nur die Garantie, etwas ganz Besonderes zu fahren, sondern auch ein ordentlich ausgestattetes Auto zu einem sehr fairen Preis-Leistungs-Verhältnis – und einem sagenhaft niedrigen Verbrauch.

Typenschein

Honda Civic Limousine
1.6 i-DTEC Executive

Preis: ab € 30.090,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 30.564,- inklusive Metallic-Lackierung € 474,-; eine Honda Civic Limousine (1.5 VTEC Comfort) gibt es ab € 24.790,-
NoVA/Steuer: 0 %/ € 476,16 jährlich
Garantie: 3 Jahre bis max. 100.000 km, 3 Jahre Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung
Service: laut Serviceheft bzw. Bordcomputer

Technische Daten:
Motor: R4, 16V, Common-Rail, Turbolader, Partikelfilter, 1597 cm³, 88 kW/120 PS bei 4000 U/min, max. Drehmoment 300 Nm bei 2000 U/min
Getriebe: Sechsgangschaltung
Antrieb: Frontantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 201 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 9,8 s
Leistungsgewicht: 11,24 kg/PS
MVEG-Verbrauch: 3,5/3,4/3,4 Liter
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 6,3 Liter
CO2-Ausstoß: 91 g/km
NOx: 0,0572 g/km; Euro 6

Eckdaten:
L/B/H: 4648/1799/1416 mm
Radstand: 2697 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1349/1800 kg
Kofferraum: 519 Liter
Tank: 46 Liter (Diesel)
Reifen: 4 x 215/50 R17 91H auf 17“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/RSR/ACC/BSD/LKA
Airbags: 6