Ein sensationelles Wiedersehen

Elina Garanca eröffnete die Reihe „Klassik am Dom“ 2022 in Linz

Auch der Tenor und Gastsänger Jonathan Tetelman spitzt gespannt die Ohren, wenn die Meisterin singt: Elina Garanca eroberte wieder Herzen.
Auch der Tenor und Gastsänger Jonathan Tetelman spitzt gespannt die Ohren, wenn die Meisterin singt: Elina Garanca eroberte wieder Herzen. © Klaus Mittermayr

Nicht einmal der Wettergott traute sich den hohen Besuch aus dem Reich der Musik zu vereiteln. Der Donnerstag war regenschwer, es hingen ständig dunkle Wolken über dem Domgelände, eine Absage war zu befürchten.

Das Publikum ließ sich den Abend nicht nehmen. Mit Regenmänteln ausgerüstet, stand es in Scharen bis weit in die Herrenstraße hinein für den Zugang zum massengefüllten Domplatz unter Regentropfen, die auch nachher sich hartnäckig kaum wegtreiben ließen.

Ja, der Empfang war angemessen für den Weltstar Elina Garanca, die die zehnjährige Open-Air-Musikreihe schon kennt und als Gast der ersten Stunde dieser mittlerweile traditionellen Veranstaltungsreihe begrüßt wurde. Nicht nur deswegen wohnt die Diva im Herzen der Linzer, auch jener, die nicht unbedingt mit der klassischen Musik vertraut sind. Übrigens ist sie diesmal die einzige der hier bis Ende Juli am Dom titelgerecht gastierenden Künstler. Dafür musste ja das überaus geschmackvoll gewählte Programm garantieren.

Im ersten Belcantissimo-Teil mit Glanzarien aus jenen Opern, die die Karriere der Garanca von ihren Anfängen mit aufbauten, nämlich von Donizetti, Puccini, Verdi, Leoncavallo und Bellini, um nach der Pause spanische Rhythmen und Klänge aus der U-Musik dem mitswingenden Publikum aller Generationen zu servieren. Bearbeitungen ihres Ehegatten Karel Mark Chichon haben mit einem südamerikanischen Medley die Stimmung auf den Höhepunkt gebracht.

Erst gar nicht von den zwei erzwungenen Zugaben zu reden bei Operetten- und Musicalausflügen mit etwa „Dein ist mein ganzes Herz“, unseres hat Garanca weltweit längst erobert. Und dennoch war dies nicht ganz ihre Welt, in der das leuchtende Gold des Solitärs einer warm timbrierten, technisch-dynamisch kontrollierten Stimme spontan alle Zuhörersinne betört und in jeder Registerlage mühelos zu dem Musikwunder führt, das an die Seele rührt. Ganz zu schweigen vom optisch fesselnden Eindruck des Stars, dem Charme und dem intelligenten Einsatz ihres Gestaltungsumfanges.

Zeichen für die Ukraine

Die edlen Farben dieser warmen Mezzostimme lassen noch weitere Genüsse erwarten. Aber um in allen Genres zu reüssieren, dafür brachte die Kammersängerin für den Abend „Garanca & friends“ zwei junge Stimmen mit: Marina Monzó aus Valencia, auf bestem Wege zu internationalem Rollenaufstieg in der Sopranszene, und den Tenor Jonathan Tetelman aus Amerika, dessen noch feiner zu behandelndes Material das kräftige Timbre ausgleichen könnte.

An der Seite ihres großen Vorbildes aufzutreten, war sicher für beide eine Ehre. Fast überflüssig das in allen Sparten mit Flexibilität agierende Orchester der Volksoper Wien applausstark zu erwähnen. Die ukrainische Nationalhymne als Auftakt setzte ein Zeichen aktuellen Gedenkens.

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