„Ein Streit war mein und Spencers Glück“

Terence Hill (79) kehrt mit „Mein Name ist Somebody“ auf die Kinoleinwand zurück — In Oberösterreich stellte er den Streifen vor

Terence Hill gestern im Schloss Mühldorf.
Terence Hill am Freitag im Schloss Mühldorf. © Melanie Wagenhofer

Mit „Mein Name ist Somebody“kehrt Hau-Drauf-Spezialist Terence Hill mit ernsteren Tönen — aber auch Schlägereien — auf die Kinoleinwand zurück. Am Freitag stattete er Oberösterreich einen Besuch ab und feierte am Abend die Österreichpremiere in Pasching.

Sie sprechen Deutsch, Englisch, Italienisch …

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Bis ich sechs Jahre alt war, habe ich nur Deutsch gesprochen, dann musste ich Italienisch lernen und als ich nach Amerika ging Englisch. Jetzt spreche ich keine Sprache mehr richtig.

Stimmt es, dass Sie früher sehr schüchtern waren?

Ich bin es auch heute noch. Aber früher wollte ich auch kein Schauspieler sein, bis ich mit Bud Spencer „Die linke und die rechte Hand des Teufels“ gedreht habe …

Ihr neuer Film spielt in der Wüste im spanischen Almeria. Warum haben Sie sich für diesen Ort entschieden?

Bud Spencer hat einen Film gedreht in der Wüste in Almeria. Er hieß „Die Katze, der Hund und der Fuchs“ (später „Gott vergibt … Django nie“, Anm.) und Bud hat den Hund gespielt. Der Schauspieler, der die Katze gespielt hat, hat sich bei einem Streit den Fuß gebrochen. Der Regisseur hat mich gebeten, die Katze zu spielen. Es wurden zwölf Stunden im Auto. Als ich angekommen bin, wollte ich schlafen. Aber ich musste gleich aufs Set, da kamen dann zwei Frauen zu mir, haben mir ein Handtuch vorgehalten und gesagt: „Zieh deine Hose aus!“ Also habe ich die Cowboysachen angezogen und einen Hut aufgesetzt. Dann stellten sie mir Bud Spencer vor und sagten: „Der hier spielt den Hund“. Ich hatte aber kein Drehbuch bekommen und habe gefragt, was denn unsere erste Szene sei. Und Bud sagte: „Mach dir keine Sorgen. Es ist eine Schlägerei zwischen der Katze und dem Hund …“ Das war das erste Mal, dass ich ihn getroffen habe. Als ich für den neuen Film einen Drehort gesucht habe kam ein Anruf von Bud Spencers Sohn, der mir gesagt hat, dass sein Vater gerade gestorben ist. Ich war sehr traurig, aber dann plötzlich habe ich eine große Freude in meinem Herzen gespürt. Und ich habe gespürt, dass er da ist und dass das der Platz ist. Er wusste, dass ich immer perfekt sein wollte. Und er hat gesagt, ich solle nicht immer so pingelig sein, der Platz sei gut. Ich habe ihn am Anfang dort getroffen und am Ende habe ich ihm dort „Good Bye“ gesagt.

Die Begegnung zwischen Ihnen war Schicksal?

Ja, es war aus einem guten Grund. Wenn du einen guten Film machen willst, brauchst du Schauspieler, die gut miteinander können, die die Leute mögen. Der Streit und der gebrochene Fuß waren mein und Spencers Glück.

Haben Sie Bud Spencer bei der Arbeit an Ihrem neuen Film vermisst? Es geht ja auch um einen Abschied darin.

Nein, es war von Anfang an ein ganz anderer Film und er wusste das ja auch. Ich habe mit der Arbeit an dem Film vor Jahren begonnen, damals wusste ich nicht, dass er sterben würde.

Sie haben das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und die männliche Hauptrolle gespielt. Für welchen Part mussten Sie noch etwas lernen?

Ich habe sehr lange über das Projekt nachgedacht und es kam dann alles ganz natürlich. Aber ich habe früher schon viel gelernt, etwa von Sergio Leone. Er hat mir immer etwas beigebracht. Zum Beispiel hat er einem Kellner eine Szene gezeigt und dessen Reaktionen genau beobachtet. Dann hat Leone gesagt: „Hast du gesehen, bei der Szene hat er die Konzentration verloren, du musst sie noch einmal schneiden.“

Sergio Leone war ja bekannt dafür, spezielle Gesichter zu suchen …

… und spezielle Hüte. Den Hut für „Mein Name ist Nobody“ zu finden, hat zwei Tage gedauert. Wir sind dafür durch ganz Los Angeles gerannt und waren bei zehn Kostümverleihern.

Sie haben so viele Filme in ihrem Leben gedreht — ist da einer dabei, auf den Sie besonders stolz sind?

Ja, eigentlich alle, aber der beste Film ist der erste von den lustigen Filmen, „Die linke und die rechte Hand des Teufels“.

Haben Sie sich bei Film-Schlägereien einmal verletzt?

Bei „Zwei wie Pech und Schwefel“ gab es am Ende eine Schlägerei. Der Stuntman sollte mich mit einer Bank auf den Kopf schlagen. Das haben wir auch drei, vier Mal gemacht, das war auch ok. Aber dann sagte der Regisseur „Noch einmal“. Aber es gab keine Bänke mehr und der Regisseur sagte „Nehmt die echte Bank“. Und dann — bumm — hat es mich erwischt. Ich habe gleich geblutet und musste im Krankenhaus mit vier Stichen genäht werden. So etwas passiert. Jedem. Bloß Bud Spencer ist so etwas nie passiert.

Haben Sie sich im echten Leben auch einmal geprügelt?

Ja, als ich klein war. Ich habe in Lommatzsch bei Dresden gelebt, bis ich sechs Jahre alt war. Dann bin ich in Italien in die Schule gegangen in einem kleinen Städtchen. Und da haben die Kinder mich gehänselt, weil ich ganz blond war. Und ich habe ihnen immer — bumm — eine auf die Nase gegeben. Ich habe dann Ärger mit meiner Mutter bekommen und es gelassen.

Thomas nimmt sich in „Mein Name ist Somebody“ein Auszeit in der Wüste — haben Sie sich auch schon einmal eine Auszeit genommen?

Ich habe „Die Bergpolizei“ und „Don Matteo“ gemacht und wollte dann etwas Zeit für mich haben. Aber es war eigentlich kein Urlaub, weil ich habe diesen Film gedreht. Aber eigentlich war es Urlaub, weil beim Fernsehen dreht man acht Seiten am Tag und beim Film nur zwei Seiten.

Sie haben an dem letzten Film mit ihrem Sohn zusammengearbeitet. Was bedeutet es für Sie, Ihre Familie miteinbeziehen zu können?

Das war schön. Er arbeitet auf der Produzentenseite. Ich bin nicht jemand, der sagt: „Ich weiß es besser.“ Das ist nie eine gute Entscheidung.

Haben Sie Pläne für die Zukunft?

Ja, ich habe unter anderem die Rechte für ein amerikanisches Buch gekauft. Es gibt mehrere Projekte.

Mögen Sie eigentlich noch Bohnen?

Ja, aber nicht mehr so viele wie damals. Da habe ich 26 Stunden nichts gegessen, damit ich richtig hungrig war. Die Menschen mögen diese Szenen sehr gerne, weil man sieht, dass ich richtig hungrig war. Heutzutage essen die Schauspieler gar nicht mehr richtig.

Interview: Mariella Moshammer