Ein süßes Ausblenden der Welt

Greta Gerwigs konventionelle Verfilmung von „Little Women“ bringt kaum Neues

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Wenn mich eine literarische Figur geprägt hat, dann Pippi Langstrumpf. Darüber bin ich sehr froh. Die Welt der vier Schwestern aus Louisa May Alcotts zweiteiligem Roman „Little Women“ wäre mir wohl als Kind schon ein bisschen zu picksüß dahergekommen. Obwohl bereits etliche Male verfilmt – u.a. 1933 mit Katharine Hepburn, 1949 mit Elizabeth Taylor, 1994 mit Winona Ryder — hat sich nun auch Greta Gerwig („Lady Bird“) über den Stoff hergemacht. Und außer einer Rahmenhandlung und einem Ende, das ein bisschen Spielraum für eine andere Lesart zulässt, ein bisschen Girlpower in die angestaubte Geschichte bringt, hat sie nichts anders gemacht als ihre Vorgänger.

„Little Women“ erzählt die Geschichte der vier Mädels, die in den USA Mitte des 19. Jahrhunderts leben. Arm sind sie, wobei so arm auch nicht, denn im Gegensatz zu anderen Familien leben sie in einem properen Haus samt richtig reichen Nachbarn, die großzügige Geschenke vorbeibringen. Mittelpunkt ist Jo, die Burschikose, die nicht heiraten will, aber schreiben. Beides so nicht angedacht für Frauen dieser Zeit. Meg, die Älteste, ist hingegen mit so einem Frauenleben an der Seite eines Mannes einverstanden, Amy will auf jeden Fall reich werden und Beth ist die Bravste von allen und krank. In den Zeiten hin- und herspringend erzählt Gerwig also das Erwachsenwerden dieser Vier für ihre Zeit durchaus mit Widerstand ausgestatteten unglaublich konventionell.

Oscar-Nominierungen für längst vergangene Zeit

Dass das in Hollywood wohl gerade einen Nerv trifft, zeigen die sechs Nominierungen bei den Oscars, darunter auch die für den besten Film. Dieser Streifen ist ein komplettes Ausblenden unserer heutigen Welt, denn damit hat „Little Women“wirklich gar nichts zu tun, und ein Hineinfallen in längst vergangene Zeiten samt überbordender Harmonie.

Natürlich muss die Familie March auch Schicksalsschläge hinnehmen, man lebt ja nicht ganz im Gummibärchenparadies, aber kaum sind die überstanden, liegen sich wieder alle in den Armen und haben sich lieb.

Saoirse Ronan als Jo ist für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert, Florence Pugh für den für die beste Nebendarstellerin. Sie ist auch das Highlight des Films, ist ihre Figur der Amy doch die vielschichtigste und jene mit den meisten Nuancen. Als milde Übermutter agiert Laura Dern, Meg wird von Emma Watson gegeben, Beth von Eliza Scanlen und in der Rolle der reichen Tante ist Meryl Streep zu sehen.

Wer sich fast zweieinhalb Stunden in ein liebevoll ausgestattetes Märchen über vier Mädchen begeben will, ist in „Little Women“ hervorragend aufgehoben. Bei Schlagershows ist es ja auch egal, ob die Welt rundherum ganz anders funktioniert.

Ab sofort im Kino

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