Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag

Zauberer, Wödmasta, Fußball-Besessener, Taktik-Genie und immer Mensch geblieben: Ernst Happels Todestag jährte sich zum 25. Mal

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Ein Foto mit Symbolcharakter: Die Zigarette durfte bei Ernst Happel auch an der Seitenlinie nie fehlen. Kl. Bild links: Der 66-Jährige, bereits gezeichnet von seiner Krankheit 1992.
Ein Foto mit Symbolcharakter: Die Zigarette durfte bei Ernst Happel auch an der Seitenlinie nie fehlen. Kl. Bild links: Der 66-Jährige, bereits gezeichnet von seiner Krankheit 1992. © dpa/Leonhardt

Von Christoph Gaigg

Der große Horst Hrubesch sagte einst über ihn: „Als er zu uns in die Kabine kam, war es, als ob jemand das Licht aufgedreht hätte.“ Nein, Ernst Happel war nicht bloß ein herausragender Fußballer und ein einzigartiger Trainer, der seiner Zeit lange voraus war. Ja selbst der Begriff Legende würde dem gebürtigen Wiener, dessen Todestag sich am Tag des ÖFB-Länderspiels gegen Uruguay zum 25. Mal jährte, nicht gerecht. „Er war eines der wenigen Phänomene im Fußball. Und Phänomene kann man nicht greifen, sie erscheinen“, brachte es Günter Netzer, der ihn einst zum HSV geholt hatte, beim Happel-Kaffeehaus-Talk im Cafe Ritter Ottakring auf den Punkt.

Wenn Happel kam, spurten die Spieler. Er war knallhart, brutal ehrlich und ist trotzdem immer Mensch geblieben. Seine Mannschaften vertrauten dem wortkargen Schleifer, der zugleich charmant und humorvoll sein konnte, bedingungslos, weil der Perfektionist eine natürliche Autorität besaß, sich immer treu blieb. Und weil binnen kürzester Zeit bei all seinen Stationen klar war: Dieser Trainer, ein Fußballbesessener durch und durch, wird uns zum Erfolg führen.

Taktik-Koryphäe, die den Fußball verändert hat

„Er hat Deutschland verändert. Er war der beste und größte Trainer, den wir je hatten“, sagte Netzer. 18 Titel in vier Ländern gewann Happel, darunter zweimal den Landesmeistercup. Dabei trieb „Aschyl“ (wegen seiner Ähnlichkeit mit einem türkischen Schauspieler) die Gegner nicht nur mit einer damals völlig unbekannten Abseitsfalle zur Verzweiflung, sondern auch mit nie da gewesenem Pressing — heute in aller Munde. „Ein Spieler kann nur Respekt haben, wenn er überzeugt ist, dass der Trainer ein Fachmann ist und die Materie beherrscht, sonst lachen die Spieler den Trainer aus“, war das Credo des 66-jährig an Krebs verstorbenen Kettenrauchers.

Ein Leben mit Lastern

Nicht sein einziges Laster: Zu Kaffee und Zigarette, am liebsten der Marke Belga, durfte es auch mal ein Cognac sein. Als Spieler trieb der „Zauberer“ (den Namen erhielt er wegen seiner technischen Fähigkeiten als „Stopper“) schon mal seine Trainer zum Wahnsinn, um später zuzugeben: „So einen Spieler, wie ich einer war, wünsch ich keinem Trainer.“

Happel und die Medien

Unvergessen: Das absichtliche Eigentor ins Kreuzeck gegen Walter Zeman, das er im Teamdress beim Stand von 14:0 gegen eine Vorarlbergauswahl erzielte.

Ein sturer Hund war der „Wödmasta“, dem dieser Titel 1978 mit den Niederlanden verwehrt blieb, vor allem im Umgang mit den Medien. Ja, da kam er raus der Grantler, der Ur-Wiener mit eigenwilligem Schmäh, der Pressekonferenzen verabscheute und die Journalisten gern mal an der Nase herumführte.

In seinem Element befand sich Happel trotz aller Liebe zu Casinos und Kaffeehäusern einzig am grünen Rasen. Passend dazu sein berühmtestes Zitat: „Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag.“ „Er wollte am Fußballplatz sterben“, erzählte Günter Netzer. Das ist Happel leider verwehrt geblieben. Doch wie stand so schön auf der Schleife seines Kranzes: „Weinen wir nicht, dass er gestorben ist, freuen wir uns, dass er gelebt hat.“