Ein wahrhaftiger Liebesfilm

Christian Petzolds wunderbarer Film „Undine“ musste lange warten, um ins Kino zu kommen — Mit Paula Beer und Franz Rogowski

Ihre Liebe ist aufrichtig, wie sie nur aufrichtig sein kann. Da gibt es keine Spielchen, keine Taktiererei, kein „heute ja, morgen nein“. Undine liebt. Aber wehe dem, der sie nicht liebt.

Christian Petzolds Film „Undine“, der coronabedingt lange in der Warteschleife vor der Leinwand verbringen musste, kommt nun ins Kino. Er basiert auf dem gleichnamigen Mythos: Undine, ein Wassergeist in menschlicher Gestalt, der die Männer, die ihn verraten, töten muss. Doch Petzold („Die innere Sicherheit“) verändert diese Vorzeichen. Seine Undine ist eine Historikerin in Berlin, die in den ersten Momenten des Films verlassen wird. Auch wenn ein Fluch auf der von Paula Beer dargestellten Frau liegt, ihre Tränen, ihr Verlust, ihr Verletztsein sind echt, ihre Liebe ist es. „Wenn du mich verlässt, muss ich dich töten. Das weißt du doch.“

Doch statt dem Tod kommt wieder die Liebe. Das erste Aufeinandertreffen des Wassergeistes Undine und des Industrietauchers Christoph (Franz Rogowski) wird von Petzold so wunderbar schön und originell erzählt, es ist ein echter Liebesfilm, der hier entsteht und aufrichtige Fragen stellt: Welche Liebe ist konstruiert, ergibt sich aus Zeitvertreib, aus passenden Umständen und angenehmen Möglichkeiten — und welche ist echt und wahrhaftig?

Christian Petzold webt das Märchenhafte mit einer Selbstverständlichkeit ins Geschehen ein, so dass man als Zuschauer niemals widersprechen möchte. Es bleiben keine Zweifel.

Die Parallelgeschichten, die die Historikerin Undine bei ihren Führungen von Berlin zeichnet, könnten passender als Untermalung und Untermauerung der Handlung nicht sein. Petzold hat zwei Schauspieler vor die Kamera geholt, die schon in seinem Film „Transit“ als Paar auftraten und darin — damals wie heute — vollends überzeugten.

Die Trennung als Ende einer Welt

Undines und Christophs Liebe geht solange gut, bis sie verraten wird von einer kleinen Lüge und die löst eine weitreichende Tragödie aus. Die Liebe zeigt sich als fragiles Wasserpflänzchen und eine Trennung als Ende einer Welt. „Undine“ ist ein Film voll schöner, aber nie leerer Bilder, die immer mehr als nur der Ästhetik dienen. Petzold lässt den Zuschauer in diese märchenhafte Erzählung fallen, ohne ein Märchen zu erzählen.

Ab sofort im Kino

Wie ist Ihre Meinung?