Ein weiblicher Kampf um Würde

Pedro Almodóvars „The Human Voice“: 30 intensive Minuten mit Swinton

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Es sind 30 Minuten, unfassbar dicht und intensiv. Der spanische Regisseur Pedro Almodóvar („Alles über meine Mutter“) habe ein Abenteuer gewählt, wie er selbst sagt. Er hat sich an ein Stück gewagt, das ihn lange begleitet, in seinem Werk immer wieder aufblitzt. Jean Cocteaus „The Human Voice“.

Almodóvar hat zum ersten Mal in seiner Karriere auf Englisch gedreht. „The Human Voice“ ist eine Glanzleistung der britischen Schauspielerin Tilda Swinton, die den Film alleine stemmt. Sie wurde dafür zu einer wahren „Almodóvar-Frau“ und das bringt einen so neuen Blick auf die Weiblichkeit, die der Filmemacher seit Jahrzehnten in seinen Werken zelebriert, dass man es kaum glauben mag.

Die Geschichte ist so schnell erzählt, wie sie einem das Herz brechen kann: Eine Frau wird verlassen, verbarrikadiert sich in der Wohnung, wartet drei Tage auf ihren Liebhaber, ihren Partner, um das Mindeste von ihm zu bekommen: Einen würdevollen Abschied.

Doch er lässt sie schmoren, ihre Wut steigert sich ins Unermessliche, ebenso ihre Trauer, ihre Einsamkeit. Einzig einmal verlässt sie ihre vier Wände, um in einem Baumarkt eine Axt zu kaufen. In einem Telefongespräch versucht sie, den Mann — der nie zu hören ist — und sich selbst zu täuschen. Ist einmal die Geschäftige, die Überforderte, dann die zutiefst Verletzte, die Verlorene.

Almodóvar macht aus dem faszinierenden Stück Cocteaus, das in den 1930er-Jahren entstanden ist, eine neue Geschichte und vereint Theater und Film. Er setzt das Apartment der Frau in ein Bühnensetting, lässt den Zuschauer die Kulissen erkennen, die das Leben der Frau nur mehr sind. Sie scheint doppelt eingesperrt, eine schützende Decke fehlt, jeder kann die Blicke auf sie und ihr Leid werfen. Das macht den Eindruck der Einsamkeit noch einmal um ein Vielfaches intensiver.

Doch anders als Cocteau lässt Almodóvar uns Zusehern nicht nur eine gebrochene Frau sehen, sondern auch eine unglaublich starke. Danke dafür.

Von Mariella Moshammer

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