Ein Wissender adelt die Musik

Brucknerfest: Thomas Hampson und die Wiener Akademie

Thomas Hampson
Thomas Hampson © Reinhard Winkler

Mit Hugo Wolf und Bruckners Dritter starteten die beliebten Sonntagsmatineen im Linzer Brucknerhaus in die neue Saison. Geradezu als Juwelen der Orchestrierung glänzten die neun Orchesterlieder nach Gedichten von Mörike und Goethe.

Facettenreich und subtil für großes Orchester gesetzt, gelang hier Hugo Wolf eine neue klangliche Ebene seiner eigenen Werke. Hier und bei den beiden kurzen reinen Orchesterstücken — Vorspiel und Zwischenaktmusik der Oper ,,Der Corregidor“ von Hugo Wolf — zeigte die Wiener Akademie unter Martin Haselböck, dem weltweit gefragten Organisten, seine Flexibilität und klanglichen Fähigkeiten. Augenscheinlich die Spielfreude und Zuneigung zu Thomas Hampson, der die Lieder meisterhaft interpretierte.

Der 66-jährige Bariton verfügt nach wie vor über eine einnehmende Bühnenpräsenz, wohl wissend, was er seiner edlen Stimme auch im vierten Jahrzehnt einer Weltkarriere zumuten kann. Kaum jemand hat sich um das „Kulturgut Lied“ so verdient gemacht. Ein Wissender adelt die Musik.

Leider gar nicht glückhaft verlief die Begegnung mit der Dritten Bruckners. Klar ist das Werk eine Riesenherausforderung für ein Originalklangensemble. Aber wenn schon das Hauptthema zu Beginn in den Trompeten derart verunglückt und auch die sehr delikat gesetzten Hörner nicht gerade in Hochform sind, wird es mühselig.

Zumal die Streicher auch nicht gerade werkgerecht agieren: Das Konzertmeisterpult spielt thematisch wichtige Figuren spiccato, also mit leichtem Bogen, ein Teil der übrigen Primgeigen aber detaché, also breit gestrichen — visuell und klanglich völlig divergierend.

In so einem Fall ist der Dirigent gefragt. Haselböcks gestisches Repertoire ist überschaubar, wenig Körperspannung, unzählige Kniebeugen sind kein Ausdrucksmittel. Dieses Repertoire in diesem Rahmen verlangt einen Profi am Pult. So machte sich quer durchs Orchester Nervosität breit, wiewohl in manchen lyrischen Passagen wie dem wundervollen Adagio mit viel Klangsinn musiziert wurde. Der geniale 7-Minuten-Wurf, das Scherzo, ließ aber gleich wieder Biss und Drive vermissen.

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