Ein wunderschöner, nachdenklicher Blick zurück

„Porträt einer jungen Frau in Flammen“: Kostümfilm mit zeitgenössischen feministischen Fragen

Zurückversetzt ins 18. Jahrhundert, ist die soziale Lage der Frau in allen Schichten von schweren Repressionen gekennzeichnet. Die französische Regisseurin Céline Sciamma begab sich mit eigenem Drehbuch ins Jahr 1770, auf eine Insel an der bretonischen Künste, in ein kaltes Steinschloss. Dorthin wird die junge Malerin Marianne (Noémie Merlant) gerufen, um ein Porträt von Héloïse (Adèle Haenel) zu malen.

Das Bild ist für den künftigen Gatten der Grafen-Tochter bestimmt, aber die junge Dame will weder heiraten noch gemalt werden. Ihre Alternativen bestehen darin, sich entweder umzubringen (wie ihre Schwester) oder sich in ein Kloster wegsperren zu lassen. Es ist also in aller Interesse, dass Heloise nachgibt — und dass Marianne ihr Vertrauen gewinnt.

Als die gräfliche Mama (Valeria Golino) verreist, bleiben die beiden jungen Frauen mit der Bediensteten Sophie (Luàna Bajrami) allein zurück. Kurze Zeit gibt es eine neue Art von Freiheit. Dass aus der Zuneigung von Heloise und Marianne nach und nach mehr wird, macht noch keinen „Lesben-Film“ aus dieser wunderschön langsam, sensibel, diskret und klug erzählten Geschichte. Vielmehr brechen Zurückhaltungen, auf, Leidenschaften, denen sie später nie wieder begegnen werden …

Besonders schön arbeitet Sciamma in die Geschichte der Aristokratin und der Künstlerin auch noch das Schicksal der Bediensteten ein, jener Sophie, die von ihnen auf menschlicher Ebene gleichwertig behandelt wird — und der sie im vollen Wortsinn die Hand halten, als sie bei einer Engelmacherin ihr Kind abtreiben lässt. So erlebt man nicht nur Höhergestellte mit ihren „Korsetten“, sondern denkt auch an die aussichtslosen Existenzen unterer Schichten. Verschiedene Lebensentwürfe, alle von Repressionen gezeichnet. Ein nachdenklicher Blick zurück, der sich nicht mit der Folie eines attraktiven Kostümschinkens begnügt.

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