Eindrücke aus dem Sonnenstaat

San Francisco ist herrlich und das nicht nur, weil die Temperaturen selbst im Hochsommer nie über 22, 23 Grad steigen. Los Angeles ist heiß, in jeder Hinsicht. Und Las Vegas völlig absurd.

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Text: Melanie Wagenhofer

Bei der Fahrt im Hop-on-Hop-off-Bus mit offenem Dach über die Golden Gate Bridge kann es ganz schön kalt werden. Die Schönheit des Bauwerks und die besondere Stimmung, die Nebelschwaden, die sich regelmäßig über die Bay legen, sorgen für wirklich großartige Ablenkung vom Frösteln. Der „richtige Sommer“ findet hier übrigens im Herbst statt, dann sind aber auch kaum mehr als 25 Grad zu erwarten. Die Stadt ist vielfältig und bunt, an jeder Ecke anders und dabei recht europäisch.

Hippies, Glückskekse und die größten Verbrecher

Und der Summer of Love ist unvergessen. Gegenden wie das bunte Alternativviertel Haight Ashbury präsentieren sich ewig hippie-mäßig. Das Wetter bringt es mit sich, dass die Stadt herrlich grün ist, besonders sehenswert ist der prächtige botanische Garten. Im zentral gelegenen Chinatown kann man chinesischen Bäckern beim Glückskeksebacken zusehen oder sich in einer der Apotheken mit Ingwer und Co eindecken. Und dann sind da natürlich noch die legendären kurvenreichen Straßen.

Wer Glück hat, trifft im Hafen von San Francisco nicht nur auf historische Straßenbahnen aus aller Welt, sondern am Pier 39 auch auf die Herde Walrösser, die hier ihren fixen Platz hat und sich auf hölzernen Plattformen sonnt. Spannend wird es, wenn man sich via Fähre übers Wasser nach Alcatraz aufmacht. Die Fahrt dorthin dauert eine Viertelstunde. Die legendäre Gefängnisinsel in der Bucht von San Francisco, die bis 1963 „in Betrieb“ war, ist weithin sichtbar und strahlt – wohl auch wegen dem, was man schon über sie gehört oder im Film gesehen hat – Bedrohlichkeit aus. Nicht umsonst, schließlich war das Eiland Aufbewahrungsstätte für die „Schlimmsten der Schlimmsten“. Der Besucher betritt das Gebäude über dieselben Räumlichkeiten wie einst die Gefangenen: Hinter Gittern liegt Gefängniskleidung bereit. Dann steht man inmitten der Zellenreihen, der Führer lässt sie für die Besucher immer wieder schwer ins Schloss fallen. Die winzigen Zellen waren lange nur mit Toilette und (wenn überhaupt) harter Bettstatt eingerichtet, später erlaubte man den Insassen persönliche Dinge wie Bilder. Die Galerie der berühmtesten Verbrecher erzählt von deren schrecklichen Taten ebenso wie von spektakulären Ausbrüchen und Ausbruchsversuchen: Al Capone, „Machine Gun“ Kelly, Alvin „Creepy“ Karpis und Robert Stroud, der legendäre Vogelmann von Alcatraz. Im Juni 1962 gelang einem Trio ein spektakulärer Ausbruch. Mit Löffeln und einem improvisierten Bohrer gruben sich die Männer durch Mauern und Belüftungsschächte. Bis heute fehlt von ihnen jede Spur…

Zu Besuch bei Doris Day und Clint Eastwood

Auf dem Weg in den Süden nimmt man am besten den Highway 1. Der Küstenstreifen, der sich Big Sur nennt, bietet einen grandiosen Ausblick hoch über dem Meer auf die rauen Klippen. Es lohnt, an den unzähligen Einbuchtungen immer wieder Halt zu machen und die Landschaft zu genießen. Big Sur beginnt etwa eine Stunde südlich von San Francisco beim putzigen Örtchen Carmel by the Sea, das mit entzückenden Häuschen und bunt bepflanzten Vorgärten besticht. Eine Übernachtung genügt allerdings, um in die besondere kleine Welt einzutauchen. Clint Eastwood war einst Bürgermeister des vorwiegend von reichen, älteren, weißen Herrschaften bewohnten idyllischen Städtchens, die großartige Doris Day betreibt hier eine von unzähligen Pensionen, in die man sich einquartieren kann. In kleinen Boutiquen mit Namen wie „Weißer Hase“ kann man nach Kleidern und hochwertigen Accessoires stöbern, in der Carmel Bakery mit der großen Brezel als Aushängeschild köstliche Backwaren genießen, abends in netten Restaurants gut essen.
Einen harten Kontrast dazu bildet die Großstadt LA. Eine Stadtführung entspricht der Suche nach Spuren berühmter Stars: „Der Viper Room, die Bar ganz in schwarz, die Sie auf der linken Straßenseite sehen können, hat früher Johnny Depp gehört“, erzählt der Tourguide. „Hier starb River Phoenix, … Das Hilton rechter Hand war Whitney Houstons letzte Station.“

Am Santa Monica Pier wurde Baywatch gedreht, die echten Life Guards soll eine Absperrung vor allzu neugierigen Touristen schützen. Hier kann man zum Baden Halt machen oder den Vergnügungspark am Pier besuchen. Bei „Bubba Gump Shrimp Co.“ auf dem Pier zeigt das Schild „Run Forrest Run“ dem Kellner an, dass der Gast zufrieden ist. Blättert man auf das Stop-Schild um, dann weiß er, dass etwas gebraucht wird. Hier am Pier spielt auch die letzte Szene von „Forrest Gump“. Im noblen Hotel Beverly Wilshire, wo „Pretty Woman“ gedreht wurde, genehmigt man sich einen Kaffee, um danach den nicht minder noblen Rodeo Drive hinauf zu schlendern. Schauen wird ja wohl erlaubt sein.
Nicht nur der promiaffine LA-Gast quartiert sich gern ins gediegene Hotel Hollywood Roosevelt am Hollywood Boulevard ein. Hier hat früher Marilyn Monroe längere Zeit gewohnt – sie war bekanntlich nicht gern allein. Und hier wurden zum allerersten Mal die Oscars verliehen. Die stilvollen Zimmer wurden vor einigen Jahren renoviert, sie bieten jede Menge Komfort. In der riesigen Lounge, die den ganzen Tag in schummriges Licht getaucht ist, fühlt man sich unter schwerer dunkler Holzdecke, Lustern und auf Ledermöbeln wie einem alten Hollywoodfilm. Vorne hinaus ist der Hollywood Boulevard, auf dem die Touristen mit gesenktem Kopf flanieren und immer wieder entzückte Ausrufe ausstoßen: Ein Stern nach dem anderen und wenn man seinen Lieblingsstar am Boden entdeckt, gibt es kein Halten mehr. Da muss man(cher) sich am Walk of Fame hinknien auf ein Selfie. Es gibt übrigens auch Stars, die darauf freiwillig verzichtet haben, wie Julia Roberts und Dustin Hofmann — nicht wegen der 30.000 Dollar, die dafür für wohltätige Zwecke dafür zu berappen sind, sondern wegen des ihrer Meinung nach inflationären Ruhms. Wer auf Starspurensuche ist, dem sei auch ein Abstecher in die Universal Studios oder in die Hollywood Hills empfohlen, wo man von weitem die Prachtbauten der Stars bestaunen kann. Einen herrlichen Blick über LA hat man übrigens auch vom japanischen Restaurant Yamashiro in den Hollywood Hills aus, das von außen wie eine große Pagode aussieht. Sehr nett ist aber auch der Innenhof: Hinter dem entzückenden Bonsai-Garten laufen Samurai-Filme in Schwarzweiß auf einer großen Leinwand. Und das Sushi-Schiff ist eine köstliche Pracht.

Und dann noch ein Abstecher nach Las Vegas. Nach der berühmten „Welcome to Las Vegas“-Tafel und einer Wedding-Chapel geht es auf den Sunset Boulevard, vorbei an der halben Welt: Pyramiden, die Skyline von New York samt beachtlicher Hochschaubahn, gefolgt von Paris und Venedig: Der Dogenpalast, davor der Campanile, Gondeln schaukeln drinnen wie draußen übers Wasser. Da bleibt man mit offenen Mund und manchmal auch kopfschüttelnd und vor allem schwitzend zurück. Bei 40 Grad am Tag und nur minimal weniger in der Nacht im Sommer kein Wunder. Die meisten Leute schwitzen jedoch vor Spielautomaten um ihre Kohle und da wird schon recht früh am Morgen konstant eingeworfen. Wem‘s gefällt…