Eine Analyse mit viel Potenzial

Ein Test, der sich lohnt – sowohl für die Jugendlichen als auch die Gesellschaft

Gudrun Kopp erklärt Yannick Guttenberger im Gespräch, wo dessen Stärken liegen und sich somit womöglich interessante Jobs auftun können.
Gudrun Kopp erklärt Yannick Guttenberger im Gespräch, wo dessen Stärken liegen und sich somit womöglich interessante Jobs auftun können. © Koch

Von Oliver Koch

Esche, Ahorn, Tanne, Linde. Eine dieser vier Baumarten tanzt aus der Reihe. Mit dieser und vielen weiteren Fragen sieht sich Yannick Guttenberger konfrontiert. Der 14-Jährige macht im WIFI in Linz gerade seine Potenzialanalyse. Diese inkludiert drei Tests auf dem Computer, wofür der AHS-Schüler ungefähr drei Stunden Zeit hat. Diese decken die Bereiche „Persönlichkeitseigenschaften“, „Motivations- und Interessensstruktur“ und „Fähigkeitsschwerpunkte oder Potenziale“ ab. Ziel ist es, die Stärken und Schwächen, Begabungen, Talente und Vorlieben zu entdecken, damit der Blondschopf eine bestmögliche Einschätzung erhält, welche Ausbildung und welche Berufe ihm einmal liegen könnten. Was ganz wesentlich bei dem Test ist: Ehrlichkeit. Denn schließlich geht es um die berufliche Zukunft und somit auch um die genaue Feststellung, wo die Interessen, Begabungen und Fähigkeiten der Jugendlichen liegen.

Kostenloses Angebot

Das Ganze ist übrigens für die Schüler der achten Schulstufe kostenlos, aber nicht umsonst. Und auch der Wirtschaftsstandort profitiert, haben Untersuchungen ergeben. Durch „falsche“ Bildungsentscheidungen entstehen in Oberösterreich nämlich Kosten in Höhe von rund 70 Millionen Euro. Denn manch einer, dem eine Lehre besser läge, entscheidet sich – vielleicht auf Druck seitens der Familie – für den Verbleib im Schulsystem. Und ein technisch begabtes Mädl wäre mit einer Mechanikerlehre besser beraten gewesen, als sich für eine Lehre als Bürokauffrau entschieden zu haben. Wiederum andere meinen, mit einer Lehre schnell Geld verdienen zu müssen, obwohl ein Jus-Studium in Wirklichkeit ideal wäre. Wobei eines ganz dezidiert klargestellt werden muss: Das Land ob der Enns braucht sie alle: Friseure und Buchhalter genauso wie Kindergartenpädagogen, Ärzte, Mechatroniker und Historiker. Denn der Fachkräftemangel ist ein Fakt – zieht sich über alle Branchen und alle Bildungsniveaus. Da sind also die 900.000 Euro, die das Land für die Potenzialanalyse in die Hand nimmt, wohl bestens investiert, ist sich unter anderem WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer sicher.

Laut einer Umfrage leistete bei rund 70 Prozent der Befragten die Potenzialanalyse Orientierung, indem sie Klarheit darüber brachte, welche Ausbildungswege zu den persönlichen Stärken und Neigungen passen. Ebenso rund 70 Prozent gaben an, durch die Potenzialanalyse auf Ausbildungsmöglichkeiten neugierig geworden zu sein und durch die Beratung mehr Selbstvertrauen bekommen zu haben.

Lockeres Gespräch

Doch zurück zu Yannick. Er hat die Tests absolviert, sich ein Getränk aus dem Automaten geholt (das gab´s gratis als Goodie dazu) und wartet nun auf das psychologische Gespräch, bei dem im Normalfall auch die Eltern dabei sind. Psychologin Gudrun Kopp geht mit ihm die Auswertung durch, dabei kommt es nicht darauf an, was richtig und was falsch ist. Nein, jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht. Die Psychologin erläutert Yannick in einem lockeren Gespräch die möglichen Ausbildungsvarianten. Und die Analyse bestärkt in dem Fall Yannicks Weg, den wir hier aber nicht auswälzen wollen. Denn es ist und bleibt seine persönliche Entscheidung – die Potenzialanalyse war in seinem Fall (und vermutlich auch in den rund 10.000 anderen Fällen jedes Jahr) jedenfalls ein äußerst hilfreicher Puzzlestein für seinen weiteren Lebensweg.

Und übrigens: Hätten Sie´s gewusst? Die Tanne – ein Nadelbaum – tanzt bei der eingangs gestellten Frage aus der Reihe.