Eine Ansage ohne Schmelz

    Miguel Alexandres liebenswerte Tragikomödie „Arthur & Claire“

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    Zweisam: Claire (Hannah Hoekstra) und Arthur (Josef Hader)
    Zweisam: Claire (Hannah Hoekstra) und Arthur (Josef Hader) © Filmladen

    Von Philipp Wagenhofer

    „I hab nix mehr vor“, sagt Arthur in Amsterdam zum Arzt seines Vertrauens. Der soll dem aus Wien angereisten und an Lungenkrebs leidenden 50-Jährigen Sterbehilfe leisten. Das sei „absolut schmerzfrei“, sagt Dr. Hofer (Rainer Bock). „Der Tod tritt innerhalb weniger Sekunden ein.“ Arthur, der schon im Flugzeug von einem Buben genervt wurde, fährt in sein Hotel, um sich für seinen Abgang vorzubereiten. Er wolle fit sein, sei doch das Sterben das Letzte im Leben. „Und das möchte ich gut machen.“ Plötzlich dringt aus dem Nebenzimmer Höllenlärm, Death Metal. Mehr braucht man zum Sterben net.

    Hauptdarsteller Josef Hader hat mit Regisseur Miguel Alexandre nach dem Theaterstück von Stefan Vögel das Drehbuch zu dieser gelungenen Tragikomödie geschrieben. In besagtem Nebenzimmer stößt der missmutige Arthur auf die junge und ebenfalls lebensmüde Claire (Hannah Hoeckstra) vom Land, deren Tötungsmittel er im Klo runterspült.

    Mit viel Fingerspitzengefühl gibt es zwischen Arthur und Claire Annäherungen, wenn sie nun das Amsterdamer Nachtleben gemeinsam entdecken. Grantscherm Arthur passt das Holländisch nicht, das wie eine Halsentzündung klingt — und dass die Vorspeise am Hundetisch im Schneidersitz eingenommen werden soll. Sie bestellt Salat, vegan und so, trinkt aber Cola (mit Brunello). Und im Coffeeshop versichert Claire, Marihuana & Co seinen rein pflanzlich. „Wenn mich ein Baum erschlägt, ist das auch rein pflanzlich“, kontert Arthur.

    Es ist eine Auseinandersetzung in Dialogen, die von zynisch bis zärtlich alles drauf haben. Das unterschiedliche Duo begreift zunehmend die verschiedenen Ansätze. Und mit sich selbst scheinen beide auch anders umzugehen. „Ich darf hier sitzen — das ist wie ein Sechser im Lotto“, kommt es Arthur über die Lippen. Sätze wie dieser können die Torte ins Gesicht sein. Aber wenn Hader sie spricht, sind sie eine Ansage ohne Schmelz. „Du bist für mich wie ein Engel, der mich abholt“, sagt der Misanthrop, der sich zunehmend öffnet. Und er spricht von Versagensangst beim Entspannen und sie von ihrer kleinen Tochter. Und er redet über die Familie, die nicht mehr mit ihm redet. Sein Sohn ruft an. Versöhnung? Es kommt nicht dazu.

    Fasziniert von dieser Frau

    „Arthur & Claire“ ist eine Liebesgeschichte, obwohl Hader bei Arthur und Claire nur von Freundschaft spricht. Er ist fasziniert von dieser Frau, sie ist es von ihm. Im wunderbaren Ambiente Amsterdams, das entsprechend fotografiert ist, entwickeln Miguel Alexandre und seine treffend besetzten Hauptdarsteller eine Geschichte, die Tiefgang entwickelt, ohne penetrant zu sein. Sie landen in einer Bar, trinken Whisky, Arthur klimpert am Klavier, Claire singt „Oh Danny Boy“. Kein Kitsch, pure Verbundenheit.