Eine bessere, neue Normalität

Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Daniela Dett
Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Daniela Dett © Gerald Kiesewetter

1 Jahr Corona, das VOLKSBLATT schickte Fragen an namhafte Kunst- und Kulturmenschen. Daniela Dett, 1977 in Bad Aussee geboren, ist Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin.

Seit Dezember 2012 fixes Mitglied am Musiktheater Linz, spielte Dett im Herbst 2020 Edith Piaf im Musical „Piaf“. Das Publikum war hingerissen, die unmittelbare Freude währte wegen eines leidlich bekannten Virus nur kurz.

VOLKSBLATT: Hat Corona Sie verändert? Wenn ja, zum Besseren?

DANIELA DETT: Die Pandemie hat mich daran erinnert, dass ich aktiv etwas dazu beitragen muss, um diesen Planeten nicht vollkommen an die Wand zu fahren. Ich habe mit Schrecken festgestellt, wie sehr ich im Laufe der Zeit in einem durchgeplanten, gehetzten, „ich-orientierten“ Leben festgefahren war.

Ich habe meine Prioritäten neu geordnet, Begriffe wie Freiheit, Solidarität, Eigenverantwortung und Selbsthilfe neu definiert und mein Konsumverhalten nachhaltiger gestaltet. Ich lebe mehr im Moment und telefoniere wieder, anstatt per Kurznachrichten zu kommunizieren!

Diese Zeit führt uns die Zerbrechlichkeit unserer Existenz und die Fehlbarkeit der Politik und der handelnden Personen vor Augen — ein kleines Virus schafft es, eine hoch entwickelte Zivilisation lahmzulegen und Gräben durch die Gesellschaft zu treiben.

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Ich bin voller Hoffnung, dass uns allen der Ernst der Lage bewusst bleibt und jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten künftig Verantwortung übernimmt. Und nicht, wie wir das ja alle kennen, wieder zurück in alte Muster verfallen, wenn das alles vorbei ist.

Womöglich war die „Normalität“ vor Corona ein gewichtiger Auslöser FÜR Corona. Was wäre zu ändern an der Normalität?

Unser Lebensstil führt uns in eine Sackgasse wenn wir nicht grundlegend umdenken. Kleine Anpassungen und halbherziges Handeln reichen nicht mehr aus, politisch gesehen muss ein ehrlicher Diskurs stattfinden — nicht ein verantwortungsscheues, inhaltsloses, opportunistisches Geschwafel.

Neben den offensichtlichen Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit lässt sich auch aus Überlegungen zu viel persönlicheren Aspekten eine bessere, neue Normalität konstruieren. Viele, vor allem junge Menschen zeigen uns, wie es gehen kann.

Hat Corona den Begriff Kunst für Sie verändert?

Nein! Frei nach Richard von Weizsäcker: „Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder nach Belieben streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere innere Überlebensfähigkeit sichert.“

Wie ist Ihre Meinung?