Eine Biografie in Aufnahmen

Eine Box mit 90 CDs dokumentiert Riccardo Mutis (80) Schaffensweg

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Ein Mammutprogramm an Aufnahmen mit 90 CDs inklusive Bonus-CD aus 2021 hat das Label Warner dem großen italienischen Maestro Riccardo Muti heuer zu seinem 80. Geburtstag gemacht.

Es ist die Summe aller seiner Orchester-, Chor- und Vokalwerke und umfasst die Jahre 1973 bis 2007, also 34 Jahre einer kompromisslosen Weltkarriere. In gewisser Weise eine Lebensbegleitung und zugleich biografienahe Dokumentation über sein Wirken.

Lieblingswerke

In sein Aufnahmen-Repertoire hat er offenbar Lieblingswerke integrieren können. Mit seinem „apollinischen Perfektionismus“, dem bekannt hohen Berufsethos aus der Toscanini-Schule, mit seiner glühenden Intensität für die Klassik und Frühromantik und mit etwas verborgener Achtung vor Haydn, wie die Aufnahmen es hören lassen, wenn auch keine einzige dem „Vater der Symphonie“ gewidmet ist.

Die Alte Musik (Vivaldi, Händel und Bach) erklingt auch ohne barockes Instrumentarium formvollendet. Es kann sein, dass bei Mutis Beethoven-Symphonien kantable schöne Stellen den Titan besiegen und das über Mozarts „Jupiter“-Symphonie ein italienischer Gott herrscht. Von Luigi Cherubinis zehn Messen hat der Charismatiker Muti fünf aufgenommen und beide Requiem-Vertonungen verschieden besetzt geleitet.

Warners Aufnahmen der monumentalen Chorwerke Verdis bestätigen Mutis Ruf des führenden Verdi-Interpreten der Gegenwart. Auch bei den Schubert-Symphonien meidet Muti jede willkürliche Veränderung. Leider wird Bruckners Klangdom mit nur zwei Symphonien (Nr. 4 und 6) errichtet. Umso erfreulicher ist Mutis Affinität zu russischen Meistern.

Die Tschaikowsky-Symphonien und auch der spätere Skriabin atmen den Geist eines Pultinterpreten, für den ohne jede Selbstinszenierung der Notentext heilig und nur die Partitur die Offenbarung ist. Musik von Strawinsky, Rachmaninov, Prokofieff verraten die Wirkung einer magischen Anziehungskraft Mutis auf seine Orchestermusiker, denen er zuhört. Das Resultat lässt es jeweils fühlen. Muti kann sie sich aussuchen und sie wünschen ihn nach wie vor am Dirigentenpult zu erleben. Ad multos annos!

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