Eine düstere Geschichte in einer düsteren Welt

„Motherless Brooklyn“: Edward Norton als tickreicher Schnüffler in Thriller der alten Schule

Was unterscheidet Lionel Essrog von allen anderen Detektiven, die in Romanen und Filmen unterwegs sind? Er leidet am Tourette-Syndrom, das heißt, an dem Drang, plötzlich und unaufhaltsam zuckend in Beschimpfungen der Umwelt auszubrechen. Der Held des Romans von Jonathan Lethem hat den Schauspieler Edward Norton so fasziniert, dass er sich buchstäblich zwei Jahrzehnte damit beschäftigt hat, ihn auf die Leinwand zu bringen.

Nun ist der Film „Motherless Brooklyn“ da, mit ihm selbst als Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller. Bei ihm spielt die Geschichte in den Fünfziger Jahren, im Roman ist sie in den Neunziger Jahren angesiedelt. Die Welt des „Film Noir“ wird beschworen — etwas lang übrigens, gut zweieinhalb Stunden.

Lionel hat mit angesehen, wie der Mann, dem er alles verdankt (Bruce Wills) erschossen wird. Auf der Spur der Mörder gerät er in die Welt der schwarzen Jazz-Clubs in Harlem (mit viel guter Musik), in die Slums von Brooklyn und in das Luxusbüro des reichen Immobilien-Tycoons Moses Randolph (Alec Baldwin), dessen Vorbild ein Donald Trump vor seiner Präsidentschaft war, als man ihm unterstellte, allerlei schmutzige Geschäfte zu machen. Wenn man eine arme schwarze Bevölkerung aus ihren Abbruch-Wohnungen vertreibt und die Grundstücke lukrativ verwertet …

In dieser Welt gerät Lionel Essrog an die afroamerikanische Anwältin Laura Rose (Gugu Mbatha-Raw, ungemein attraktiv und intelligent wirkend), die sich für die Armen einsetzt, und auch an einen Wutbürger, eine prächtige Rolle für einen wirren, bösen Willem Dafoe.

Freilich ist bald klar, worauf die Handlung hinausläuft, manches erzählt Norton zu ausgewalzt, aber da ist immer noch er als der Mann, der durch Tourette sein eigener Feind ist und diese Krankheit mit aller Kraft bekämpft. Das wirkt nie komisch und immer beklemmend, der Film erzählt eine düstere Geschichte in einer düsteren Welt.

Ab sofort im Kino

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