Eine Flussleiche im Mühlviertel

Prächtig: Franz Friedrich Altmann schrieb seinen siebten „Turrini“-Krimi

Turrini ein Hund und „Herzikraxischeißibinki“ von der wiffen Gucki, die sicher auch diesen Fall lösen wird: Franz Friedrich Altmann.
Turrini ein Hund und „Herzikraxischeißibinki“ von der wiffen Gucki, die sicher auch diesen Fall lösen wird: Franz Friedrich Altmann. © Rainer Kocher

„Ich hab mich so/ In Dich verschaut/ Wie eine Raupe/ In ein Häupel Kraut/ Wie ein Borkenkäfer/ In eine Fichte/ Sonst schreibert ich nicht/ So blöde Gedichte“

Solche Poeme, jeweils am Kapitelanfang abgedruckt, schreibt die Gucki jeden Morgen ihrem Struppi. Der ist Deutschlehrer und fesch, in immer bunten Outfits! Gucki nennt ihn mit ihren 47 Jahren tatsächlich „Liebe meines Lebens“ und leidet dabei wie ein Schwein. Struppi ist leider verheiratet. Nicht mit irgendeiner Frau, sondern mit der ersten Geigerin im Bruckner Orchester. Mit langen, blonden Haaren, „nicht nur zehn Jahre jünger als die Gucki, sondern auch mindestens zwanzig Kilo leichter“.

Hat der Struppi also nur Zeit, die Gucki zu treffen und mit ihr ins Bett zu hupfen, wenn seine Frau mit dem Orchester probt oder – noch viel besser! – auf Tournee geht. Aber das passiert leider nicht so oft. Kommt der Struppi daher sehr gelegen, als da eines Tages tatsächlich eine Leiche in der Waldaist schwimmt. Nicht irgendeine Leiche, sondern ein Freistädter FPÖ-Gemeinderat. Obendrein Chef der hiesigen Bürgerwehr, der mit überteuerten Landmaschinen handelt, womit er sich schon einige Bauern zum Feind gemacht hat.

Der Tote gibt natürlich eine gute Story her für die „Mühlviertler Nachrichten“, für die die Gucki schreibt, weckt aber noch mehr ihre detektivische Urlust. Toter FPÖ-Gemeinderat mit Schwimmweste, bei Eintritt des Todes ziemlich besoffen: Wie die Gucki lange vor der nicht ganz so hellen und schnellen Polizei herausfindet, hat sich ein ähnlicher Fall vor kurzer Zeit bereits in Schärding zugetragen. Ein „Unfall“, meint die Polizei, aber die Gucki hat längst eins und eins zusammengezählt. Ob du es glaubst oder nicht, ein Serienmörder geht um im Mühlviertel!

Kein Kitsch, Leben pur

Franz Friedrich Altmann, Jahrgang 1958, aus Hagenberg im Mühlkreis, hat seinen siebten „Turrini“-Krimi geschrieben. „Turrinis Zunge“ ein Volksfest nicht nur für Krimifans. Volkstümliches im allerbesten Sinn, nix Kitschiges, schon gar nix Idyllisch-Verlogenes, sondern pures, derbes, oft auch saukomisches Landleben. Die Gucki ein Mordsweib, unglaublich wiff und sympathisch, obwohl sie doch oft eine unanständige Person ist, gern tarockiert und sauft und auch sonst nicht sehr gesund lebt. Seit drei Jahren hat sie einen Hund, den sie wie den Vorgänger Turrini nennt. Der Turrini ein echter Sympathieträger, das „Herzikratzischeißibinki“ von der Gucki, leert kunstvoll Jägermeister-Flascherl und leistet wichtige detektivische Spürarbeit.

Mit Umgangssprachlichem spielt der Autor nach Herzenslust. Sprachliche Eigenheiten liegen ihm mehr am Herzen als die Krimihandlung, wie er selbst mehrfach durchblicken lässt. Wer schnell fährt, fährt wie eine „gesengte Sau“, und wenns ums Schnackseln geht, kennen Gucki und ihresgleichen schon gar keinen Genierer. Was den Autor zu einer Klarstellung nötigt: „Ich bin keine ordinäre Drecksau! Ich erzähl das Ganze ja nur.“

Im Ernst: „Turrinis Zunge“ unterhält großartig und ist ein Sprachkunstwerk, das sich derb und banal gibt. Regionale Literatur von europäischem Format, geistesverwandt mit Autoren wie Alois Brandstetter und dem 2018 verstorbenen Walter Pilar.

Franz Friedrich Altmann: Turrinis Zunge. Kriminalroman. Haymon, 208 S., 12,95 Euro

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