Eine Fülle an zierlichen Gedankenspielen

Schloss Tillysburg: „Das Prinzip und der Krampus“

Gregor Seberg ist als Onkel Kreger ein Hofrat alten Zuschnitt.
Gregor Seberg ist als Onkel Kreger ein Hofrat alten Zuschnitt. © Barbara Pálffy

Auf Schloss Tillysburg verfügt man sich einmal mehr ins Fin de Siécle, in eine Zeit, die zu ihrer Zeit längst nicht mehr war, was sie zu sein vorgab.

Kühle Open-Air-Premiere war am Donnerstag mit einer Verknüpfung der beiden Stücke „Das Prinzip“ und „Der Krampus“ von Hermann Bahr. Süffisant, elegant, hoch gebildet parlieren sich Adel und (ab-)gehobene Bürger durch Salons und seelische Abgründe.

Selbst ankerte Bahr, geboren 1863 in der Linzer Herrenstraße, zwischen altösterreichischer Tradition und aufgeklärtem Denken. Intendant Nikolaus Büchel fügt die sophistischen Dialoge zweier Komödien ineinander und unterwandert diese, wie einst der Autor, mit einer recht simpel konstruierten Handlung.

Bis zur Pause plätschert eine exquisite Sammlung von Aphorismen, Thesen und Antithesen, Sentenzen und Paradoxa zum Entzücken des Publikums luftig- duftig durch das feudale Ambiente von Schloss Tillysburg.

Großartige Schauspieler

Der Krampus ist Georg Seberg („Soko Donau“) als Onkel Kreger ein Hofrat alten Zuschnitts, bärbeißiger Grantscherm mit gebotenem Pathos. In „süffisanter Demut“ verquirlt er im Zigarrenrauch sophistisch-logische Schlüsse mit den religiösen Überzeugungen des übersinnlich begabten Gärtners (Sam Schwarzmann). Herr des Hauses ist Bernhard Majcen als Dr. Friedrich Esch.

Der Lebensreformer und Philosoph missioniert seiner Zeit voraus Selbstbestimmung. An seinen Kindern erlebt er unvermutet die Praxis. Während er souverän zu seinen Prinzipien steht, kiefelt seine Gattin an Standesdünkeln, als der minderjährige Sohn (Theo Colarusso) in einem verliebten Überschwang sich mit der handfesten Köchin Leni (großartig Lisa Furtner) verlobt und die noch jüngere Tochter (Elena Hückel) mit dem Gärtner durchbrennt.

Alexandra Maria Timmel gibt die perfekte Dame des Hauses. Scharf wie ihre Zunge die Gedanken, wo drunter wohlverwahrt Gefühle lauern, wie aus einem Klimtgemälde ihre Kostüme (Gera Graf). Als kaprizierte Gräfin Aggern strahlt Lisa Wildmann.

90 Minuten dauert es bis zur Auflösung aller Verwicklungen. Im letzten Drittel beginnt es zu regnen, man übersiedelt in den Schlosskeller. Die Handlung transportiert moralinsaure Monologe und langatmige Erklärungen. Das Stück beschert köstliche Typen, großartige Schauspieler und eine Fülle zierlicher Gedankenspiele.

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