Eine Geschichte über eine Linzer Fabrik, Kaffee und Zichorien

Oberösterreichs Landeshauptstadt hat eine langjährige Tradition als Industriestandort. Maßgeblich geprägt hat dabei die Stadt auch die Franckfabrik, ihres Zeichens auch Namensgeber für einen Stadtteil. Wobei – die Fabrik streng genommen nicht im Franckviertel gestanden ist, wie es auf der Homepage www.unserfranckviertel.at heißt. Doch was hat es mit der Fabrik nun auf sich, deren Geschichte nun in einem Buch ausgiebig beschrieben wird?

Das Fabrikgelände anno 1960. © Archiv der Stadt Linz

Diese 244 Seiten starke Publikation „Aecht Franck. Biographie einer Firma“ von Walter Schuster, Direktor des Archivs der Stadt Linz, handelt vom Aufstieg der 1828 im deutschen Württemberg gegründeten Firma Heinrich Franck zum internationalen Konzern „Heinrich Franck Söhne“ und nach der Fusion mit dem ehemaligen Konkurrenten zu „Franck und Kathreiner“.

Die Linzer Geschichte beginnt dabei anno 1879. In dem Jahr startete die Produktion von Franck in Linz in einer nie in Betrieb gegangenen Waggonfabrik an der heutigen Franckstraße. Im April 1881 wurde das Areal durch die gegenüberliegende Spodium-Fabrik erweitert. Im Frühjahr 1882 begann der Zichorienanbau in Oberösterreich und 1883 erwarb die Firma Franck die Bauernhöfe Hummelhof und Spallerhof für weitere Zichorienfelder.
1880 arbeiteten 181 Beschäftigte für Franck. In Spitzenzeiten waren 600 Personen für das Franck-Unternehmen tätig, das damit zu den größten Industriebetrieben in Linz zählte. Von Beginn an war die Firmenpolitik durch viele freiwillige Sozialleistungen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gekennzeichnet. So wurde beispielsweise ein firmeneigener Kindergarten bereits 1896 errichtet, wie bei einer Pressekonferenz anlässlich der Buchvorstellung erwähnt wurde.

Schon in den 1880er-Jahren begann die Firma Franck für ihre Bediensteten eigene Wohnhäuser zu errichten. Nördlich des Fabrikareals entstand ein eigenes Stadtviertel, das vor allem aus Franck-Gebäuden bestand. Die Keimzelle des Viertels bildete ein Grundstück an der Khevenhüllerstraße, wo im April 1887 ein Beamten-Wohnhaus entstehen sollte. Nach dem Ankauf von weiteren Grundstücken an der Khevenhüllerstraße konnten Gustav und Carl Franck noch im Sommer 1887 den Bau von Arbeiterwohnungen in Auftrag geben. Vor dem Ersten Weltkrieg entstanden mehrere Franck-Gebäude mit unterschiedlichen Wohnungstypen an der Khevenhüllerstraße, Goethestraße, Liststraße, Kinderspitalstraße und an der Wüstenrotstraße.

Zum 25-jährigen Firmenjubiläum im Mai 1904 ernannte die Stadt Carl Franck zum Ehrenbürger. Dieser war der jüngste Sohn des Firmengründers Heinrich Franck und er leitete die Geschicke der Fabrik von 1883 bis 1919. In dem Jahr übernahm der Neffe von Carl Franck, Walter Franck, die Führung der Firma, die er bis 1939 leitete.
Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten begann gleich im Jahr 1938 die Umstrukturierung der Franck und Kathreiner-Betriebe. Im Dezember 1939 mussten die österreichischen Firmen Heinrich Franck Söhne Linz und Kathreiner Wien ihr Vermögen in die jeweiligen deutschen Gesellschaften einbringen und wurden im Jänner 1940 aufgelöst. Die ehemaligen österreichischen Firmen wurden zu Zweigniederlassungen der Muttergesellschaften in Berlin. Der Geschäftsverkehr mit der Kundschaft in der Ostmark wurde trotzdem von Linz aus geführt. Die Firma Kathreiner war ursprünglich ein Franck-Konkurrent, ehe die beiden Industriebetriebe ab dem Jahr 1913 kooperierten und schließlich anno 1944 fusionierten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Firma vor der Herausforderung, sich mit anderen großen international agierenden Nahrungsmittelkonzernen – die über eine breite Produktpalette verfügten – zu messen und neue Produktideen zu entwickeln. Altbewährte Produkte wie Zichorienkaffee, Getreidekaffee und Feigenkaffee konnten an ihre Blütezeit vor dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr anschließen, nur die Kaffeemittelmischungen erreichten vorerst noch steigende Absatzzahlen.

Das damals wichtigste Produkt war die „Linde“-Kaffeemittelmischung und Linz zu der Zeit neben Wien eines der Zentren der heimischen Kaffeemittelerzeugung. In den 1960ern hießen die Produkte „Inca“, „Incarom“ oder „Khavana“ doch trotz positiver Ertragslage fehlte es dem Firmenkomplex an langfristigen Zukunftsstrategien. Im Vergleich mit dem großen Mitbewerber Nestlé und seiner Produktvielfalt konnte sich die Firma nicht dauerhaft behaupten und wurde schließlich im Jahr 1971 sukzessive von Nestlé übernommen. Die Fusion zwischen Nestlé und Franck & Kathreiner in Österreich erfolgte mit dem Verschmelzungsvertrag vom 22. Juni 1973.

Heute ist das ehemalige Fabrikgelände kaum noch erkennbar. Anstelle der ehemaligen Unternehmer-Villa erhebt sich nun das ORF-Landesstudio. Wo einst Produktionsanlagen standen, befindet sich nun das DesignCenter und der einstige Fabrikskindergarten ist nun Bestandteil von Raiffeisen.

 

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