Eine Ikone der Oper ist 80

Placido Domingo will so lange wie möglich auf der Bühne stehen

Placido Domingo, der am Donnerstag seinen 80er feiert, will auch weiterhin auf der Bühne stehen.
Placido Domingo, der am Donnerstag seinen 80er feiert, will auch weiterhin auf der Bühne stehen. © APA/dpa/Christian Charisius

Wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag gibt Opernstar Plácido Domingo Einblicke in seine Leidenszeit. „Ich habe geweint, als ich nach fünf Monaten fern der Bühnen wieder gesungen habe“, zitierte ihn die spanische Zeitung „La Razón“ groß auf Seite eins. Der Spanier, der in seiner gut 60-jährigen Karriere mit Lobeshymnen wie „König der Oper“, „bester Tenor aller Zeiten“ oder „lebende Legende“ überhäuft wurde, wird am Donnerstag 80 Jahre alt.

Angekratztes Image

Nicht nur das Virus machte die letzte Zeit für den Sänger, Dirigenten und Opernhausdirektor zum schwierigen Jahr. Im Zuge der #MeToo-Bewegung hatten Frauen dem „Maestro“ aus Madrid im August 2019 teils Jahrzehnte zurückliegende sexuelle Belästigung vorgeworfen. Die Nachwehen zogen sich weit ins vorige Jahr hinein.

Eine von der Oper in Los Angeles beauftragte Untersuchung kam im März zu dem Ergebnis, dass bestimmte Vorwürfe des „unangemessenen Verhaltens“ glaubwürdig seien. Nach den Vorwürfen war Domingo als Chef der Oper in Los Angeles zurückgetreten. Der Vater dreier Söhne und mehrfache Großvater versicherte stets, niemanden belästigt zu haben.

Mehr als 150 Partien

Inzwischen sind die anklagenden Stimmen weitgehend verstummt. Es gab mehrere Auftritte in Italien, und auch in Wien, Monte-Carlo, Moskau und Sankt Petersburg löste er Ovationen aus. Auch in den nächsten Monaten stehen mehrere Auftritte Domingos in Europa auf dem Programm. Nur nicht in seinem Heimatland. Warum? Das spanische Kulturministerium hatte wegen der #MeToo-Vorwürfe im vorigen Jahr eine Art „Bann“ gegen den einst vergötterten Sänger ausgesprochen.

Auf der Bühne muss Domingo derweil längst nichts mehr beweisen. Während das Repertoire seines Vorbildes Enrico Caruso (1873-1921) 40 Rollen umfasste, sang er mehr als 150 Partien. In Wien erhielt er einmal einen Applaus von 80 Minuten und ca. 100 Vorhänge. Nach eigener Schätzung trat er 4000 Mal auf. Er begeisterte als Otello, Parsifal, Lohengrin, Nabucco oder Rigoletto nicht nur mit seiner Stimme, sondern auch mit Charisma, Schauspielkunst und starker Bühnenpräsenz. Am häufigsten präsentierte er sich in der Metropolitan Opera in New York, wo er 1968 den internationalen Durchbruch geschafft hatte. Im Zuge der #MeToo-Vorwürfe trennten sich die Wege von Met und Maestro nach 51 Jahren.

Einer der „Drei Tenöre“

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Seine größten kommerziellen Erfolge feierte Domingo, der als Kind Stierkämpfer oder Fußballprofi werden wollte, als einer der „Drei Tenöre“. Zusammen mit Landsmann José Carreras (74) und dem 2007 mit knapp 72 Jahren verstorbenen Italiener Luciano Pavarotti trug er dazu bei, klassische Musik populärer zu machen.

Der Gesang war dem kleinen Plácido quasi in die Wiege gelegt worden. Seine Eltern waren Sänger an einer Madrider Zarzuela-Bühne, der spanischen Version eines Operettenhauses. Als Domingo acht war, wanderte die Familie aus beruflichen Gründen nach Mexiko aus, wo er nicht nur musikalisch ausgebildet wurde. Hier lernte er auch seine Frau Marta (Donnerstag, 86) am Konservatorium kennen.

Karriere verlängern

An „Rente“ denkt Domingo auch mit 80 nicht. Die Bühne sei sein Leben. Er versuche, mit körperlicher Aktivität und gesunder Ernährung in Form zu bleiben. Tribut fordert das Alter aber auch beim „Jahrhundert-Sänger“, wie das Magazin „Das Opernglas“ ihn jüngst nannte: Vor etwa zehn Jahren wechselte der „Tenoríssimo“ ins tiefere Baritonfach: „Auf diese Weise kann ich meine Karriere noch ein wenig verlängern.“

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