„Eine Lie besgeschichte, die sich über Sex erzählt“

Thomas Stipsits über seine Rolle als Callboy in der Kino-Komödie „Love Machine“

Thomas Stipsits (35) bieten sich gerade jede Menge Gelegenheiten, seine Vielseitigkeit zu zeigen. In seiner zweiten Hauptrolle in der frechen Komödie „Love Machine“ (Start: 2. Februar) spielt der Schauspieler und Kabarettist einen Musiker, der durch Zufall Callboy wird. Ein Gespräch über käufliche Liebe, Eitelkeit & Karpathos.

VOLKSBLATT: Wie haben Sie reagiert, als man mit diesem Rollenangebot auf Sie zugekommen ist? Einen Callboy mit Waschbärbauch zu spielen, verlangt ja auch, ein wenig uneitel zu sein …

Damit hatte ich überhaupt kein Problem, ich fand das eher lustig. Ich bin, was das betrifft, sehr uneitel. Ich fand die Geschichte sehr spannend und kenne und schätze Regisseur Andreas Schmied. Mir war es wichtig, dass das keine Sexklamotte wird oder klamaukig, dann hätte ich es nicht gemacht. Das Thema Sexualität muss sinnlich präsentiert werden.

Sie spielen einen Loser, der sich in seiner Situation wohl zu fühlen scheint. „Wenn man im Leben nix erwartet, ist alles, was man kriegt, ein Bonus“, sagt ihre Figur einmal.

Der Georgy Hillmaier hat schon lange keinen Anker mehr gehabt in seinem Leben, der treibt so dahin. Durch den tragischen Umstand, dass er seinen Bandkollegen verloren hat, ist er gezwungen, sein Leben in den Griff zu kriegen. Insofern ist die Geschichte dann doch so eine kleine Heldenreise, weil Georgy dann Erfahrungen macht, die er noch nie gemacht hat. Und der Film ist eine Liebesgeschichte, die sich über Sex erzählt, was ich ganz spannend finde.

Haben Sie sich auf die Rolle des Callboys vorbereitet?

Wir haben schon ein bissl recherchiert bei Agenturen, die solche Männer vertreten. Der Georgy Hillmaier ist aber nicht der klassische Callboy, er stolpert zufällig in den Beruf hinein. Auch die meisten seiner Kundinnen machen das zum ersten Mal.

Haben Sie unter den Kundinnen eine Lieblingsfigur? Das sind ja zum Teil sehr schräge Frauen.

Es hat mit allen Spaß gemacht. Wir hatten riesige Freude, dass Adele (Anm., Neuhauser) mitgemacht hat. Die Adele ist unfassbar schnell beim Improvisieren und so richtig trocken lustig. Das ist immer ein Gewinn. Die Barbara Schöneberger hat sofort ja gesagt. Das ist eine Ulknudel, die positive Stimmung am Set verbreitet.

War es eine besondere Situation, mit Ihrer Frau Katharina Straßer zu drehen?

Es ist immer besonders, weil ich sehr gerne mit der Kathi drehe. Bei den Dreharbeiten zu „Love Machine“ hatte sie ja ihren echten Babybauch. Wenn ich den Film jetzt sehe, dann denke ich, dass da unsere Tochter drin war. Wenn sie älter ist, kann sie sich das einmal ansehen und wir sagen dann zu ihr: „Wir haben damals das Geld gebraucht.“

Sie machen Kabarett, spielen TV- und Kinorollen, singen, haben ein Buch geschrieben. Sind Sie ein Workaholic?

Zu wenig mache ich sicher nicht. Ich finde es sehr spannend, das Glück zu haben, mich in unterschiedlichsten Dingen ausprobieren zu dürfen. Mir ist natürlich klar, dass ich das Tempo irgendwann zurückschrauben muss.

Im „Tatort“ spielen Sie den emsigen Chefinspektor Martin Schimpf und haben der Figur schon Kultcharakter verliehen.

Man muss aufpassen, dass man die Rolle nicht verblödelt. Es gibt so übereifrige Kollegen wie ihn, die alles richtig machen wollen und dadurch öfter ins Fettnäpfchen treten, das finde ich ja lustig. Aber er ist ja doch Chefinspektor, hat Fähigkeiten und muss dem Team hilfreich sein. Sonst fragt man sich, wieso die den überhaupt haben. Dass die Rolle ausgebaut wurde, ist gut, weil das manchmal ein wenig die Schwere aus dem „Tatort“ herausnimmt.

Sie leben in Wien, Stinatz und auf Karpathos. Wo sind Sie sich am liebsten?

Ich fühle mich überall wohl. Das Burgenland und Griechenland sind eher Urlaubsorte, Wien ist der Ort, wo man hauptsächlich arbeitet. Ich empfinde es als Luxus, die Möglichkeit zu haben, in die Einsamkeit zu fliehen.

Ihr nächstes Projekt?

Ich habe mit Harald Sicheritz ein Drehbuch geschrieben zu einem Kinofilm, eine Aussteigerkomödie, die in Griechenland spielt. Wenn die Finanzierung klappt, drehen wir im Mai und Juni.