Gutes aus schwierigen Umständen

Tribüne Linz: „Harry Merl — eine Lebensgeschichte“ mit Bettina Buchholz

Bettina Buchholz mit Tochter Hannah
Bettina Buchholz mit Tochter Hannah. © Johannes Neuhauser

Von Philipp Wagenhofer

„Ich kenne Harry schon sehr lange und habe einmal einen Film — ,Krise als Chance’ — über ihn gedreht“, sagt der Regisseur und Psychotherapeut Johannes Neuhauser über Harry Merl, den Vater der Familientherapie in Österreich. Ihm hat er die szenische Lesung „Harry Merl — eine Lebensgeschichte“ gewidmet, die in der Tribüne Linz erstmals am 3. November aufgeführt wird. Und zwar mit Schauspielerin Bettina Buchholz und Tochter Hannah, beide waren auch in der Produktion „1938 — weg von Linz“ zu erleben. Diese „authentische Annäherung an das Schicksal geflüchteter Juden“ habe ich als „kurzweilig vermittelte Zeitgeschichte“ beschrieben.

Die glückliche Kindheit war bald vorbei

„Harry, der jetzt 84 Jahre alt ist, hat mir sein ganzes Material zur Verfügung gestellt, seine Aufzeichnungen“, sagt Johannes Neuhauser im VOLKSBLATT-Gespräch. Ihn habe besonders interessiert, wie der junge Harry, der tagsüber jahrelang in einer kleinen Wohnung allein ausharren musste, weil seine Eltern zur Räumung jüdischer Wohnungen gezwungen wurden, dies für sich aufgearbeitet hat. Die glückliche Kindheit war mit der Reichskristallnacht im November 1938 für den kleinen Buben vorbei. Harry Merl, dessen Vater ein jüdischer Goldschmied war, habe später eine Psychoanalyse gemacht und sei Psychiater geworden. Er habe Leuten in ähnlichen Situationen helfen wollen und die in den USA praktizierte Familientherapie für sich entdeckt. Gegen alle Widerstände habe er am Wagner Jauregg Krankenhaus in Linz als damals erster und einziger Therapeut begonnen, mit Familien zu arbeiten. „Unsere szenische Lesung soll zeigen, dass man auch aus schwierigsten Umständen was Gutes machen kann.“

Die Lesung ist in zwei Teile gegliedert. Teil eins betreffe seine ersten Lebensjahre unter den Nazis — gegen Ende sei die Familie in Wien in einem Kohlenkeller versteckt gewesen, um der Deportation zu entgehen, so Neuhauser, von dem Bühnenfassung und Inszenierung stammen. Der zweite Teil handle davon, wie Psychotherapie und Familientherapie in OÖ entstanden sind. „Das ist uns höchst spannend gelungen.“ Für seine Produktion interessiert man sich auch in Wien. Sie soll „mehrfach in einem Theater“ gezeigt werden.

„Ich bringe meinen ganz persönlichen Zugang ein“

„Ich versuche das, was in mir selbst ist, mit Harrys Erzählung zu verbinden. Und da ich eine Frau bin, kann ich meinen ganz persönlichen Zugang, den ich an ihm beobachtet habe, einbringen“, sagt Bettina Buchholz. Er habe ein großes Gespür für Menschen. „Das interessiert mich an ihm, dass er wirklich etwas bewegen kann. Und mit meiner Tochter Hannah lässt sich quasi der junge Harry auf der Bühne leichter assoziieren.“ Er habe in Eva eine große Liebe gehabt, die nach Auschwitz gebracht worden sei. Eva sei für Harry noch heute ein großer Schmerz, dass er ihr damals nicht helfen konnte, sagt die engagierte Schauspielerin.

Karten-Tel.: 0699/11399844