Eine rasante Er-Fahrung

Sich wie ein Rennfahrer fühlen: Das Projekt Spielberg macht's auf Red Bull Ring möglich

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Dort, wo am 1. Juli der Formel-1-Grand-Prix von Österreich steigt, durften ausgewählte Medien, darunter das VOLKSBLATT, die Formel-4-Boliden testen und einige Runden auf dem Red Bull Ring in Spielberg drehen. © Lucas Pripfl/Red Bull Content Pool

Von Roland Korntner

Sich einmal wie ein Rennfahrer fühlen, am Red Bull Ring in der Steiermark — von Linz aus in gut zwei Stunden erreichbar — ist das in vielen Varianten möglich. Eine davon hat unlängst das VOLKSBLATT getestet. Der Tag an der Rennstrecke, über die heuer auch noch die Formel-1-Boliden und die MotoGP-Artisten glühen werden, beginnt mit Instruktionen von den ehemaligen Rennfahrern Bernhard Auinger und Patrick Friesacher. Beide mit viel Formel-Erfahrung, Letzterer bestritt 2005 für Minardi sogar elf Rennen in der Formel 1. In einem ähnlichen Geschoss werde ich später über den Ring brausen. Die Vorfreude steigt.

Das Aufwärmen mit dem Porsche Cayman S

Los geht’s aber mit dem Porsche Cayman S (Topspeed 285). Im Windschatten des Instruktors raus auf die Bergaufgerade und damit in die Aufwärmrunde. Über Funk gibt’s die Infos über Brems- und Einlenkpunkte, Scheitel- und Auslenkpunkte, über die Ideallinie, über Tücken der Strecke. Schon sind wir zurück auf der Start-Ziel-Geraden, das Tempo wird forciert. Auf den Geraden sind wir jetzt jenseits der 200 Stundenkilometer. Zeit, um auf den Tacho zu schauen, bleibt aber keine. Gas geben, Bremsen — die Lichter des Vordermanns helfen gewaltig — und die Linie halbwegs treffen, damit ist genug zu tun. Das Schalten übernimmt (zum Glück) das Automatikgetriebe. Was auffällt: Die engen Kurven gelingen mir viel besser als die lang gezogenen, dabei fällt es mir schwer, die Breite der Strecke zu nutzen. Aber: Von Runde zu Runde läuft es ein wenig besser, mehr Kurven passen, wohl wissend, dass das echte Limit ein schönes Stück weit weg ist. Autofahren bleibt aber Autofahren, auch wenn man im Alltag nicht mit einem Porsche unterwegs ist, Fazit: Ein traumhaftes Fahrvergnügen.

Formel-4-Geschoss: 210 PS bei nur 570 Kilo

Zurück in der Box beginnt sogleich die Vorbereitung auf meine Premiere in einem Formel-Auto, genauer gesagt in einem Formel 4 in der Red Bull Ring Edition. 210 PS klingen zwar nicht dramatisch, aber bei einem Kampfgewicht von nur 570 Kilogramm schafft es der Bolide in nur 3,7 Sekunden von Null auf Hundert und schafft in der Spitze 240 km/h.

Also rein in Overall, entsprechendes Schuhwerk, Handschuhe, Feuerschutzhaube und natürlich Helm. Schon zwänge ich mich ins Cockpit. Das Kribbeln wird größer.

Ein Anfängerfehler: Der Motor stirbt ab

Ein Formel-Bolide hat ja bekanntlich wenig mit einem Straßenauto zu tun. Das beginnt mit der liegenden Position. Der Sitz ist knallhart, das Sichtfeld aufgrund von Helm sowie Kopf- und Nackenstütze extrem eingeschränkt. Schon zurrt mit ein Crewmitglied fest. Die Bewegungsfreiheit geht gegen Null, den linken Spiegel muss ich mit der rechten Hand richten.

Über Funk gibt es wieder Anweisungen, der Motor wird gestartet, die Kupplung sollen wir ganz langsam kommen lassen. Probiert, gescheitert. Erst kommt der Motor ins Stottern, dann stirbt er ab. Beim zweiten Mal ruckelt es zwar wieder ein wenig, aber nun fahre ich zum zweiten Mal an diesem Tag auf die Strecke.

Die Runden verfliegen, es bleibt ein Wow-Erlebnis

Der Respekt ist riesig, die Beschleunigung ebenfalls. Was sofort auffällt: Die Lenkung ist extrem direkt und es gibt keinen Bremskraftverstärker, deshalb heißt es, richtig ins Pedal zu treten.

Weil im Gegensatz zum Porsche nun auch manuelles Schalten gefragt ist und es keine Bremslichter des Vordermanns als Anhaltspunkt gibt, ist die Herausforderung ungleich größer. Zugleich spürt man die wirkenden (Flieh-)Kräfte umso mehr, auch ruckelt der Fahrtwind am Helm.

Viel zu schnell geht es nach einigen Runden wieder zurück an die Box. Was bleibt ist ein echtes Wow-Erlebnis, eine wirklich rasante Er-Fahrung. Und die Rundenzeit?

Die Rundenzeiten? Viel Luft nach oben

Um die 2:20 Minuten. Zur Verdeutlichung: Ein Patrick Friesacher im Renntempo schafft sie mit diesem Auto in rund 1:30, der offizielle Formel-1-Rekord von Lewis Hamilton liegt bei 1:07,411, im Qualifying schaffte Valtteri Bottas im Vorjahr sogar 1:04,251.

Da ist viel Luft nach oben. Trotzdem habe ich mich wie ein richtiger Rennfahrer gefühlt. Und der Respekt vor den enormen Leistungen der Profis ist dabei noch ein Stück gestiegen.

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Der Autor nahm auf Einladung von Projekt Spielberg an den Testfahrten teil.