Eine Stadt will Mythen erschaffen

Kulturhauptstadt 2022: Litauens zweitgrößte Stadt Kaunas

Nur das kleine Geschwisterchen der litauischen Hauptstadt Vilnius? Eröffnungsveranstaltung in Kaunas am Samstag, knackiger Titel der multimedialen Show: „Aufstand“
Nur das kleine Geschwisterchen der litauischen Hauptstadt Vilnius? Eröffnungsveranstaltung in Kaunas am Samstag, knackiger Titel der multimedialen Show: „Aufstand“ © M.Plepys

Mit einer Open-Air-Show hat Litauens zweitgrößte Stadt Kaunas am Samstagabend feierlich ihr Programm als Europäische Kulturhauptstadt 2022 begonnen. Das Jahr in Kaunas steht unter dem Motto „From temporary to contemporary“. Insgesamt sollen mehr als 40 Festivals, 60 Ausstellungen und jeweils über 250 Veranstaltungen der darstellenden Künste und Konzerte stattfinden. Hauptattraktion am Samstag war eine aufwendig gestaltete multimediale Lichtshow mit Videoprojektionen an der Fassade der Zalgiris Arena, die von Musik und Tanz begleitet wurde. Zudem fanden zahlreiche Konzerte, Ausstellungen und andere Veranstaltungen statt.

Kaunas will sich neu erfinden, einen neuen Mythos schmieden und sein Profil schärfen. Modern und europäisch will sich Litauens zweitgrößte Stadt präsentieren, mit viel Kultur, Geschichte und Selbstbewusstsein. Dies soll helfen, weiter aus dem langen Schatten der Hauptstadt Vilnius herauszutreten. Kaunas besitze eine „außergewöhnliche, komplexe, wechselhafte Geschichte“, betonte der litauische Kulturminister Simonas Kairys bei der Programmpräsentation. Sichtbar sei in der von mehreren Hügeln umgebenen und am Zusammenfluss zweier Flüsse gelegenen Stadt das „ganze Kaleidoskop der Epochen und politischen Systeme“.

Kernstück des Programms ist die Trilogie „Mythos von Kaunas“, eine an drei Wochenenden stattfindende Veranstaltungsreihe. Gestaltet von Künstlern aus Litauen und dem Ausland, soll eine neue verbindende und identitätsstiftende Legende für die 300.000 Einwohner der Stadt geschaffen werden.

Yoko Ono, Abramovic

Zu den Höhepunkten gehören die Einzelschauen von Künstlern wie William Kentridge, Yoko Ono und Marina Abramovic und eine Theaterinszenierung von Robert Wilson. „Ich bin daran interessiert, nach Litauen zu kommen, um zu sehen, wie es sich anfühlt und ob mein imaginiertes Land und seine Geschichte dem entsprechen, was ich vorfinde, wenn ich dort bin“, sagt Kentridge. Die erstmalige Ausstellung des südafrikanischen Künstlers mit litauischen Wurzeln über selektive Erinnerung gilt in Kaunas als eine der wichtigsten Veranstaltungen im Kulturhauptstadtjahr.

Hauptziel der Trilogie ist Wandel: Kaunas soll von einer in Nostalgie schwelgenden zu einer wachsenden, offenen Stadt werden. Seine besten Tage hatte Kaunas nach dem Ersten Weltkrieg, von 1919 bis 1940 als provisorische Hauptstadt der neugegründeten Republik Litauen. Doch dann wurde der Baltenstaat von der Sowjetunion besetzt und Vilnius wieder Hauptstadt. Die dunkle Geschichte des Zweiten Weltkriegs, der Holocaust an litauischen Juden und die Besatzung belasten die Stadt bis heute. Diese lange verborgenen Traumata sollen rund 30 Jahre nach der wiedererlangten Unabhängigkeit Litauens nun im Kulturhauptstadtjahr angegangen werden.

Video
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Infos: kaunas2022.eu

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