Eine sympathische Mörderin

Carmen Pretorius, Hauptdarstellerin im Musical „Chicago“, freut sich schon auf Linz

Carmen Pretorius glänzt in der Hauptrolle von „Chicago“: Sie ist die Nachtclubsängerin Roxy Hart, die ihren Liebhaber erschießt ...
Carmen Pretorius glänzt in der Hauptrolle von „Chicago“: Sie ist die Nachtclubsängerin Roxy Hart, die ihren Liebhaber erschießt ... © Philip Brunnader

Das Original Broadway Musical „Chicago“ kommt ab Dienstag, 16. Juli (Preview), ins Musiktheater nach Linz. In der Hauptrolle Carmen Pretorius. Sie ist Roxie Hart, eine Nachtclubsängerin, die kurzerhand ihren Liebhaber erschießt, als der sie verlassen will. Hinter Gittern trifft sie auf die zweifache Mörderin, Vorbild und Rivalin Velma und den zwielichtigen Anwalt Billy Flynn. Er macht aus Verbrechen Schlagzeilen und Roxie zum Star. Carmen Pretorius gilt als eine der etabliertesten und vielseitigsten jungen Künstlerinnen Südafrikas.

VOLKSBLATT: Roxie ist eine Mörderin und zugleich ein Superstar. Was halten Sie von dieser Frau? Mögen Sie sie?

CARMEN PRETORIUS: Ja, ich habe gelernt, sie zu lieben. Sie ist ein zutiefst menschliches Wesen und sie wird missverstanden. Roxy sündigt, mordet, begeht die schlimmsten Dinge. Die Story erzählt, warum sie so ist. Sind wir sind nicht alle beeinflusst von all dem, was in unserem Leben passierte? Ich möchte, dass man Roxy verzeihen kann. Das Publikum soll Mitgefühl haben mit jemandem, der es eigentlich nicht verdient. Ich bin mir sicher, dass jeder innerlich eine Resonanz zu Roxies Persönlichkeit spüren wird.

Seit wann sind Sie mit der Produktion „Chicago“ bereits auf Tour?

Wir starteten im August vorigen Jahres in Neuseeland, dann tourten wir vier Monate quer durch China, danach ging es nach Johannesburg und Kapstadt in Südafrika. Jetzt sind wir in Europa. Ungefähr 250 Vorstellungen waren es bisher.

Wie kamen der Humor und die Charaktere beim chinesischen Publikum an?

Es war total ruhig. Der Humor des Stückes ist ja sehr westlich. Am Beginn wussten wir nicht, ob die Leute uns verstehen.

Hatten Sie denn keine Untertitel?

Oh ja, hatten wir. Die Untertitel waren clever übersetzt. Humor und auch Story kamen rüber. Erst nachdem wir mit einigen Leuten gesprochen hatten, wussten wir, dass sie es wirklich mochten. Es war sogar ein gewaltiger Erfolg. Wir waren immer ausverkauft in riesigen Hallen. Das chinesische Publikum ist ein ganz stilles Publikum.

Gab es denn Applaus?

Ja, aber nur, wenn es passte. Mit Klatschen und Lachen sind die Südafrikaner am großzügigsten.

Wie sieht ihr Alltag aus während dieser Tour?

Aufwachen. Um ca. zehn Uhr Frühstück, dann, wenn es sich ausgeht, ein wenig Sightseeing, wie hier in Köln vielleicht den Dom besuchten oder einige lokale Besonderheiten, um 16 Uhr ein leichtes, kleines Essen, 18 Uhr Arbeitsbeginn mit Workout und Warm-up. Im Anschluss treffen wir uns mit der Kompanie und besprechen kurz Dinge, die zu bearbeiten sind, und was noch zu tun ist. Dann gehe ich in meine Garderobe, checke Maske, Kostüme, Perücke, ziehe mich an und ab in die Show. Gegen zwei Uhr bin ich im Bett. So geht mein Leben.

Und wenn Sie gerade nicht für „Chicago“ auf der Bühne stehen?

An freien Tagen während der Tour gehe ich es ruhig an, mache vielleicht einen kleinen Ausflug, komme aber bald am Abend zurück, so dass ich wirklich ausrasten kann, gehe früh zu Bett und schlafe sehr viel. Zuhause in Johannesburg ist das vielseitiger. Ich laufe, gehe shoppen, bin zusammen mit Verwandten, Freunden. Ich koche gerne. Außerdem studiere ich Marketing. Und ich mache auch Filme und Performances.

Lebt Ihre Familie in Johannesburg?

Ja, ich habe dort meine Schwestern und meine Mutter, mein Vater lebt in London. Ich habe meinen Freund in Johannesburg, das heißt, die Stadt ist mein Lebensmittelpunkt.

Ihren Freund können Sie wohl nur selten sehen?

Oh ja, er ist auch Schauspieler und ich bin immer auf Tour. Er ist jetzt einige Wochen bei mir, dann werden wir sehen …

Sie sprachen von Sightseeing. Kennen Sie Linz?

Ich kenne Linz nicht, habe aber ein wenig recherchiert und freue mich schon sehr darauf, die Stadt zu sehen. Ich habe Maria in „Sound of Music“ einige Jahre lang gespielt und mich über Österreich informiert. Ich möchte eigene Erfahrungen mit der österreichischen Kultur machen, will von Linz sehen, soviel ich kann, Leute treffen, Essen kosten. Ich weiß, dass die Stadt schön ist und freue mich echt drauf.

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ZU GEWINNEN: Das OÖ. VOLKSBLATT verlost 5 mal 2 Karten für die Premiere von „Chicago“ (17. Juli) auf Facebook.

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