„Eine voll akzeptierte Sportart“

ÖFB-Präsident Windtner im Interview über den Stellenwert des Frauen-Fußballs

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Leo Windtner im Exklusiv-Interview mit dem VOLKSBLATT über den Stellenwert des Frauen-Fußballs, die EM-Ziele und seinen Wunsch für die Zukunft.

Morgen ist es soweit, dann starten Österreichs Fußball-Frauen mit dem Match gegen die Schweiz (18 Uhr) in die EM-Endrunde in den Niederlanden. Das VOLKSBLATT bat ÖFB-Präsident Leo Windtner deshalb zum exklusiven Interview.

Welche Bedeutung hat die erstmalige Teilnahme des Frauen-Teams an einem Großereignis für den österreichischen Fußball?
LEO WINDTNER: „Sie ist eine Riesensensation angesichts der kurzen Entwicklungsphase, die wir durchschritten haben. Das erst 2011 installierte Nationale Zentrum für Frauen-Fußball in St. Pölten hat sich in jeder Hinsicht schon bezahlt gemacht. Wir hoffen natürlich, dass es durch diese Qualifikation Rückenwind für den Fußball im Allgemeinen und für den Frauen-Fußball im Besonderen gibt, weil wir damit die Familien gewinnen.“

Ist der Stellenwert des Frauen-Fußballs in Österreich dadurch gestiegen?
„Absolut. Das klare Indiz dafür ist, dass wir mit Admiral erstmals einen Sponsor für die Frauen-Nationalmannschaft gefunden haben. Das ist ein sehr deutliches Signal, dass der Frauen-Fußball aus der Ecke des wohlmeinend belächelten Sports getreten und zu einer voll akzeptierten Sportart geworden ist. Frauen-Fußball ist nicht umsonst die weltweit am stärksten wachsende Sportart überhaupt.“

Was bewirkt dieser Boom?
„Damit erreichen wir Teile der Bevölkerung, der Gesellschaft, die bisher der konventionellen Fußball-Welt verschlossen geblieben sind. Nicht umsonst hat es schon vor Jahren geheißen, dass die Zukunft des Fußballs weiblich ist, weil damit eine noch viel größere Bandbreite geschaffen wird.“

Was trauen Sie der österreichischen Mannschaft, die ja 13 Legionärinnen umfasst, bei der EM zu?
„Ich will den Ball, mit Blick in den Rückspiegel auf die Herren-EURO vor einem Jahr, absolut flach halten. Denn auch bei den Frauen haben wir keine Turniererfahrung. Aber wir haben zuletzt in der Vorbereitung, im letzten Testspiel gegen Dänemark (4:2/Anm.) gesehen, dass wir auch mit den arrivierten Nationen gut mithalten können und wir, wenn es passt, durchaus eine Überraschung liefern können. Grundsätzlich wäre jeder Punkt und jede gute Performance ein Erfolg. Die Gruppenphase zu überstehen, wäre ein Traum.“

Wie kann das gelingen?
„Wichtig ist sicherlich, dass man die Außenwelt wirklich ausklammern muss, fokussiert sein muss, voll und ganz auf sich und den Gegner und keinerlei emotionale Schwingungen einbringen soll.“

Wer sind Ihre Favoriten?
„Die üblichen Verdächtigen. Deutschland, Schweden, Norwegen.“

Was wünschen Sie sich für den Frauen-Fußball in Österreich für die nächsten Jahre?
Dass wir die Ziele, die wir im Spitzenfußball erreicht haben, auch auf die Landkarte des österreichischen Fußballs ausrollen können. Dass sich die Bundesliga-Klubs des Frauen-Fußballs annehmen, dass sie die Chance erkennen, die Frauen-Fußball bietet, damit wir, was die Klubs und die Spielerinnen betrifft, deutlich an Breite gewinnen. Die Marke von 20.000 Spielerinnen wollen wir bald und klar überschreiten. Es soll in Richtung 25.000, 30.000 gehen.“

Interview: Roland Korntner