Eingreifen oder nicht?

30 Jahre Phönix: Uraufführung „Die Affäre Odilon“

Marion Reiser mit Ferry Öllinger in der Wanne
Marion Reiser mit Ferry Öllinger in der Wanne © Helmut Walter

„Wenn der Autor mit dem Regisseur das Wasser teilt, ist das kein schlechtes Zeichen“, ließen Regisseur Alexander Kratzer und Autor Thomas Baum gestern wissen, als sie sich den Inhalt einer Wasserflasche einschenkten, bevor sie vor der Presse im Theater Phönix in Linz ihr Werk präsentierten.

„Die Affäre Odilon“, eine dramatische Komödie, schrieb der gebürtige Linzer Baum als Auftrag zum 30-jährigen Bestehen der heimischen Bühne. Uraufführung ist am 6. Februar (19.30 Uhr).

Der gesamte Fundus auf der Bühne im Einsatz

„Thomas Baum ist der Spielstatt Leonding und dem Theater Phönix in tiefer Freundschaft verbunden“, betonte Harald Gebhartl, künstlerischer Leiter des Theater Phönix. Es ist die achte Zusammenarbeit mit Baum, die 1992 mit „Kalte Hände“ begonnen hat. Auch Baum streute dem Phönix Rosen: „Dieses Team hat sich den Respekt erobert. Das sind Menschen mit besonderer Energie, das Theater Phönix reflektiert sich ständig selbst, die Zusammenarbeit ist einfach, weil es keine Eitelkeiten gibt.“ So funktionierte auch die Arbeit mit Regisseur Kratzer, der eine Kunstsprache im Text angeregt hatte, die ihm später zu schaffen machte. „Wie ein Berg, wo man nicht weiß, welche Route man nehmen soll“, beschrieb der Tiroler.

„Jeder, der das liest, muss sich das erobern“, so Baum, der nach Inhalt suchte, der zum Theater Phönix passt, zu Linz und der Theaterwelt. Es wurde ein „Spiel im Spiel“ — in der und über die Kunstszene. Alexander Girardi, gefeierter Wiener Operettenstar der Donaumonarchie, feilt rücksichtlos an seiner Karriere, die zum Kriminalfall wird. Letztlich rettete ihn der Kaiser vor dem Irrenhaus, weil sich eine Weggefährtin einsetzte. „Wir versuchen den Bogen zum Heute zu spannen“, so Kratzer. Es gehe um die Frage der Einmischung, darum, ob sich Künstler entscheiden einzugreifen, ergänzte Gebhartl.

YT
Video
Ich möchte eingebundene Social Media Inhalte sehen. Hierbei werden personenbezogene Daten (IP-Adresse o.ä.) übertragen. Diese Einstellung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in der Datenschutzerklärung oder unter dem Menüpunkt Cookies geändert werden.

Schauspielerisch galt es laut Kratzer zwei Ensembles zu vereinen, das aktuelle mit Marion Reiser (Wilma vulgo Katharina Schratt), Anna Maria Eder (Schauspielerin Dorothea), Markus Hamele (Gustav vulgo Albert von Rothschild) und Felix Rank (Stepan vulgo Julius Wagner-Jauregg) sowie die Phönix-Urgesteine Ferry Öllinger (Alexander Girardi), Ingrid Höller (Luise vulgo Helene Odilon), Helmut Fröhlich (Otto vulgo Kaiser Franz Joseph). Für die Bühne zeichnet Georg Lindorfer verantwortlich, der sich entschloss, den gesamten Fundus, „den wir über 30 Jahre angehäuft haben“ einzusetzen. ast

Termine bis 20. 3.; Infos und Tickets: www.theater-phoenix.at

Wie ist Ihre Meinung?